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ARONSTAB tt
Wenn man im zeitigen Frühjahr beim Waldspaziergang auf die Blätter des Aronstabes trifft, könnte man meinen, dass es sich um eine ganz normale, harmlose Pflanze handelt, nichtsahnend, dass die glänzenden, pfeilförmigen Blätter ätzende Gifte enthalten. Aber wenn man etwas später in der Blühzeit auf den Aronstab trifft und das segelartige Hochblatt der Blüte sich nicht gerade durch Umklappen versteckt hat, sieht man sofort, dass man eine besondere Pflanze vor sich hat. Der Aronstab ist eine alte Zauber- und Hexenpflanze und wurde trotz seiner Giftigkeit früher gerne gegen Erkrankungen der Atemwege verwendet, wenn auch stark verdünnt. Heutzutage kennt man fast nur noch die homöopathische Anwendung eines chinesischen Bruders des heimischen Aronstabes.
Aronstab ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Aronstabgewächse. Arum ist eine von zwei auch in Mitteleuropa vorkommenden Gattungen aus dieser weitgehend tropischen Pflanzenfamilie. Die Areale reichen von Nordafrika über Europa bis Zentralasien. Sie wachsen vor allem in anspruchsvollen Laubmischwäldern und Gebüschen.
 
Steckbrief
Heilwirkung: Achtung! Giftig. Nur in Fertigpräparaten, homöopathisch oder getrocknet und stark verdünnt anwenden. Die Pflanze ist geschützt! Homöopathisch ab D2! schleimlösend, harntreibend, schweißtreibend, Heiserkeit, Kehlkopfentzündung, Asthma, Husten, Krampfhafte Bronchitis, Masern, Mumps, Rachenkatarrh, Scharlach, Schnupfen, Mundschleimhautentzündung, Rheuma, Verstauchungen, Furunkel
wissenschaftlicher Name: Arum maculatum
Pflanzenfamilie: Aronstabgewächse = Araceae
englischer Name: Cuckoo pint
volkstümliche Namen: Chindlichrut, Dittichrut, Ekelblume, Eselsohr, Gefleckter Aronstab, Ronechrut, Trommelsschlägel, Zehrwurz
Verwendete Pflanzenteile: Wurzelstock, Blätter
Inhaltsstoffe: Aroin, Coniin, Oxalat-Raphide, Oxalsäure, Stärke
Sammelzeit: Achtung! Die Pflanze ist geschützt! Blätter: April
 
Anwendung
Achtung! Giftig. Aronstab nur in Fertigpräparaten, homöopathisch oder getrocknet und stark verdünnt anwenden.
Wegen Giftwirkung kaum verwendet
Durch seine Scharfstoffe und die kristallartigen Nadeln, die sich Oxalat-Raphide nennen, ist der Aronstab giftig und zwar auf eine sehr unangenehme Weise, denn er brennt schon sehr stark im Mund. Es ist wie eine Art Verätzung, wenn man von Teilen des Aronstabes kostet. Daher wird der Aronstab heutzutage auch weder von der Schulmedizin noch von der Volksheilkunde verwendet. Zudem steht der Aronstab unter Naturschutz, darf also gar nicht gesammelt werden, was seine Anwendung noch weiter einschränkt.
Alte Anwendung der Volksheilkunde
Früher wurde der Aronstab jedoch in der Volksheilkunde gerne verwendet. Dabei hat man ihn stark verdünnt oder man hat sich die Eigenschaft zunutze gemacht, dass die Scharfstoffe beim Trocknen stark an Wirkung verlieren.
Stark verdünnte Tinktur
Aus den frischen Blättern wurde eine Tinktur angesetzt und diese stark verdünnt eingenommen. Maximal 5 Tropfen wurden hierbei auf ein Glas Wasser gegeben. Das entspricht bereits einer homöopathischen Verdünnung von D2 bis D3. Solcherart stark verdünnt wurde der Aronstab gegen Halsentzündungen, Husten, Erkältungen, Schleimhautentzündungen von Mund und Rachen, Magenschleimhautentzündungen und Darmentzündungen. Also gegen ähnliche Probleme, wie der Aronstab auch bei hoher Dosierung hervorruft. Solch eine Behandlung gilt jedoch als Rosskur und birgt bei Menschen mit Herzbeschwerden und anderen chronischen Erkrankungen gewisse Risiken.
Blätter als Umschlag
Mancherorts wurden die zerriebenen Blätter des Aronstabes als Umschlag bei Verstauchungen und Rheuma verwendet.
Homöopathische Anwendung
In niedriger Potenz (D2 bis D6) wird eine chinesische Variante des Aronstabs bei die gleichen Beschwerden eingesetzt, wie bei der stark verdünnten Tinktur beschrieben. Vor allem bei Stimmproblemen der Sänger und Redner kommt der Aronstab zum Einsatz.
Nahrungsmittel in Notzeiten
Früher wurde die Knolle des Aronstabes in Hungerzeiten sogar als Nahrungsmittel eingesetzt. Dazu wurde der Wurzelstock gekocht und dann getrocknet, um die Giftstoffe zu neutralisieren. Dann wurde er gemahlen und als Mehlersatz verwendet. Diese Art der Anwendung erübrigt sich heutzutage natürlich aufgrund der Seltenheit des Aronstabes und der Tatsache, dass er unter Naturschutz steht. Außerdem sind Mehl aus Weizen und frische Kartoffeln heutzutage leicht und preiswert verfügbar, sodass kein Bedarf mehr für den Mehlersatz Aronstab besteht.
 
Geschichtliches
Eine so bizarr blühende Pflanze wie der Aronstab wurde naturgemäß als Hexen und Zauberpflanze betrachtet. Wie schon das Aussehen der Blüte naheliegt wurde er für Liebeszauber verwendet. Es wurde auch geglaubt, dass man mit dem Aronstab Schlangen abwehren konnte. Wenn man den Aronstab Kindern in die Wiege legte, sollte dies vor Unholden schützen. Auch zur Vertreibung von bösen Träumen wurde der Aronstab verwendet. In manchen Gegenden wurde der Aronstab auch als Ernteorakel benutzt. Die Getreideernte hing von der Beschaffenheit des Kolbens ab, die Form der insekteneinfangenden Reuse zeigte die Heuernte an und die männlichen Blüten deuteten auf die Obsternte hin und die weiblichen Blüten auf die Trauben- und Erbsenernte.
 
Pflanzenbeschreibung
Der Aronstab ist in Mittel- und Südeuropa heimisch. Er wächst bevorzugt in lichten und nährstoffreichen Laub- und Mischwäldern und wird bis zu 40cm hoch. Im zeitigen Frühjahr treibt die ausdauernde Wurzelknolle mehrere glänzende, pfeilförmige Blätter. Die Blätter sind leicht gefleckt und erinnern vom aussehen her ein wenig an Spinat. Doch wenn man an ihnen knabbert, selbst nur eine winzige Ecke, dann brennt es im Mund wie Feuer. Das Brennen ist nicht wie die Schärfe von Chilis, sondern es fühlt sich verletzend an. Der Scharfstoff Aroin und die Oxalat-Raphide, winzige kristallartige Nadeln, sorgen für diesen Brenneffekt. Im Mai treiben zwischen den Blattstengeln lange Knospen in Konusform aus. Die Knospen entfalten sich zu einem weiß-grünen Hochblatt, das einen braunen Kolben enthüllt. Am unteren Ende des Kolbens befinden sich die eigentlichen Blüten, sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Das Hochblatt steht nur für kurze Zeit aufgerichtet wie ein Segel. Bald beugt es sich nach vorn und klappt über den Kolben. Die gesamte Blüte riecht für Menschen widerlich, für Insekten aber sehr verlockend, was auch der Zweck des Geruches ist, denn die Insekten werden für die Befruchtung gebraucht. Sie werden von dem Duft angelockt und dringen in den Kessel des Hochblatts ein, um die Blüten zu befruchten. Daher nennt man den Aufbau der Blüte auch Fliegenkesselfalle. Aus den Blüten entwickeln sich im Spätsommer (August bis September) Beeren, die zunächst grün und später rot sind. Die Beeren schmecken leicht süßlich.
Alle Pflanzenteile des Aronstabes sind giftig!
Die Giftwirkung lässt beim Trocknen etwas nach. Bekannte Verwandte des Aronstabes sind einerseits das tropische Knollengemüse Taro und anderer-seits die größte Blume der Welt Titanenwurz.
Arum-Arten wachsen als saisongrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten bilden Knollen als Überdauerungsorgane. Es sind mehrere Niederblätter vorhanden. Die zwei grundständigen Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfachen Blattspreiten besitzen eine spießförmige bis pfeilförmige Form und ungezähnte Blattränder.
Arum-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig. Der für die Araceae typische Blütenstand besteht aus Blütenstandsschaft, Spatha und Kolben. Der Kolben ist kürzer als das einzelne tütenförmige Hochblatt. Der männliche Teil des Blütenstandes ist kürzer als der weibliche. Zwischen den fruchtbaren männlichen und weiblichen Blüten sitzen ein bis sechs Reihen steriler Blüten, die nach unten gebogen sind. Es sind keine Blütenhüllblätter vorhanden. Die männlichen Blüten bestehen nur aus drei bis vier Staubblättern. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Fliegen und Mücken, welche durch den intensiven Geruch (nach Aas) angelockt werden. Durch die Form der Blüte, die auch als Fliegenkesselfalle bezeichnet wird, gelangt ein einmal angelocktes Insekt immer an den Stempel, wodurch eine Übertragung der Pollen sicher gewährleistet wird. Die bei Reife roten, verkehrt-eiförmigen Beeren enthalten einige Samen. Die Samen besitzen Endosperm.
 
Giftwirkung
Die erste Giftwirkung spürt man schon gleich nach dem Verzehr von Aronstab-Bestandteilen direkt im Mund und Rachen, denn der Aronstab brennt sehr stark und wirkt wie ätzend. Bei größeren Mengen reagieren dann auch Speiseröhre, Magen und Darm mit Verätzungserscheinungen. Es kommt zu Speichelfluss, Erbrechen, Stimmverlust und Krämpfen. Sobald die Wirkstoffe in die Blutbahn übergegangen sind, kommt es zunächst zu Erregungszuständen und später zu Lähmung. Auch Herzstörungen können auftreten.
 
Erste Hilfe
Als erste Hilfe-Maßnahme kann man Aktivkohle versuchen. Auch Schleimsuppe kann hilfreich sein und das Brennen lindern. Zur Behandlung der betroffenen Schleimhäute sollte unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.

BÄRWURZ
Die Bärwurz ist die einzige Art in der monotypischen Pflanzengattung Meum innerhalb der Familie der Doldenblütler. Die weiß blühende Bärwurz ist eine alte Heilpflanze, die in Europa auf Magerwiesen und lichten Laubwäldern von Mittelgebirgen wächst. Die buschige Pflanze riecht kräftig und würzig. Wegen der aromatischen ätherischen Öle, die an Fenchel und Liebstöckel erinnern, wird die Bärwurz auch in der Küche verarbeitet. Die Magenschnäpse mit dem Namen Bärwurz werden aus dem ähnlichen Alpen-Mutterwurz hergestellt. Diese Alpen-Pflanze ist etwas kleiner und kräftiger. Die Bärwurz, botanisch als Meum athamanticum bezeichnet, ist ein vor allem in Hügeln und Gebirgen Mitteleuropas Wildkraut. Der Doldenblütler fällt meist schnell durch seinen aromatischen und appetitanregenden Geruch auf. Sowohl die Blätter, die Wurzel als auch die Samen können in der Küche vielseitig verwendet werden. Aus den Wurzeln der Bärwurz wird zudem eine bekannte Spirituose zubereitet.
 
Steckbrief
Haupt-Anwendungen: Magen, Verdauung
Heilwirkung: aphrodisierend, appetitfördernd, entblähend, entgiftend, entschlackend, harntreibend, herzstärkend, magenstärkend, menstruationsfördernd, tonisierend, verjüngend, wärmend, windtreibend
Anwendungsbereiche: Altersschwäche, Appetitlosigkeit, Blähungen, Blasenerkrankungen, Darmkatarrh, Dysmenorrhoe, Gelbsucht, Gicht, Hautausschläge, Herzschwäche, Hysterie, Koliken, Menstruationsbeschwerden, Migräne, Nierenleiden, Stress, Verdauungsstörungen, Vergiftungen, Weißfluss
wissenschaftlicher Name: Meum athamanticum Jacq., Athamanta meum, Meum meum, Meum nevadense
Pflanzenfamilie: Doldenblütler = Apiaceae
englischer Name: Baldmoney, Spignel
volkstümlicher Name: Baerpudel, Bärwurz, Barekümmel, Bärendill, Bärenfenchel, Bärkümmel, Bärmutterkrut, Bärnzotten, Bärwurzel, Berwurtz, Dillblattwurz, Gewöhnliche Bärwurz, Herzwurz, Köppernickel, Mutterwurz, Wilder Fenchel
Verwendete Pflanzenteile: frische Blätter, Samen, Wurzelstöcke
Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Fettes Öl, Gummi, Harz, Ligustilid, Monoterpene, Kaffeesäuren, Phthalide
Sammelzeit: April bis August
 
Anwendung
Gemäß Tabernaemontanus sind die Heilkräfte des Bärwurzes zahlreich: „Beerwurtzwasser getruncken/ eröffnet die verstopffung der Leber/ der Nieren/ Harngäng/ und der Blasen/ vertreibet die Geelsucht/ Wassersucht/ den schmertzen der Därm und der Mutter/führet auss den Stein/ treibet den/ vertreibt die Harn-winde/ und das tröpfflingen harnen.“                     New Kreuterbuch 1588
„Tröstlich ist auch, dass dass Rindvieh jsset dz Kraut von der Beerwurtz fast gern/ unnd bekommen die Kühe viel Milch davon/ darauss treffentliche gute Käss im Schwarzwald unnd andersswo gemacht werden.“
In der neuzeitlichen Pflanzenheilkunde wird Bärwurz in der Hildegard-Medizin eingesetzt. Der sogenannte Bärwurzbirnenhonig enthält als Kräuterhauptbestandteil getrocknete und gehäckselte Bärwurzel neben anderen Kräutern.
Frische Blätter
Können in der Küche wie Petersilie eingesetzt werden. Regt den Appetit an und fördert die Verdauung. Können als gequetschtes Kraut für Umschlage gegen Hautkrankheiten oder Gichtschmerzen eingesetzt werden.
Tee
1 Teelöffel getrockneter Blätter mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen, hilft gegen Verdauungsprobleme. 1 Teelöffel Samen mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 20 Minuten ziehen lassen, abseihen. Hilft bei Migräne, Appetitmangel, Blasenleiden.
Abkochung
Eine Abkochung der Wurzeln hilft vor allem bei Verdauungsproblemen.
Tinktur
Um eine Bärwurztinktur selbst herzustellen, übergießt man Wurzeln der Bärwurz in einem Schraubdeckelglas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen. Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen. Von dieser Tinktur nimmt man ein bis dreimal täglich 10-50 Tropfen ein. Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.
Äußerlich
Äußerlich kann man Bärwurztee oder verdünnte Tinktur in Form von Umschlägen, Bädern oder Waschungen anwenden. Mit dieser Art der Anwendung kann man Hautkrankheiten lindern.
Verwendung als Heilkraut
Bärwurz ist den Menschen bereits seit vielen hundert Jahren bekannt und zum Teil intensiv als Heilpflanze verwendet. Heute wird der Doldenblütler jedoch nur noch in der Volksmedizin gebraucht.
In den Kräuterbüchern des Milltelalters und der frühen Neuzeit war die Bärwurz als Wilder Fenchel oder Bärdill bekannt, wenngleich gesagt werden muss, dass die Pflanze mit dem Alpen-Mutterwurz als eine Art beschrieben wurde. Im Buch von P. A. Mattioli wurden Anwendungen Medizinalweine sowie die pulversierten Wurzel gegen Nierenbeschwerden, Bauchschmerzen und Blähungen verwendet. Bärwurz wurde auch als Zutat für einen Theriak sowie für einen Latwerg verwendet. Unter einem Theriak versteht man eine Art Universalmedizin, die aus mehreren Heilpflanzen bestand. Ein Latwerg hingegen ist eine Art dickflüssige Darreichungsform, bei denen die jeweilige Arzneidroge mit Honig vermischt wird. Beide Anwendungen finden jedoch keine Anwendung mehr. Ihr Nutzen und therapeutischer Effekt ist bisher nicht wissenschaftlich überprüft, so dass keine Aussage über die Wirksamkeit getroffen werden kann.
Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen
Da die Pflanze bisher kaum Beachtung in klinischen Studien findet, ist bisher keine Risikogefährdung durchgeführt wurden. Weder die Kommission E noch ESCOP führen entsprechende Monographien über die Bärwurz. Aus Sicherheitsgründen sollte eine Anwendung von Bärwurz während der Schwangerschaft und in der Stillzeit unterbleiben.
Homöopathie
Gegen Fieber, Herzschwäche.
Bärwurz in der Küche
Die Bärwurz wird als Gewürzkraut in den schottischen Highlands häufig verwendet. Das feine dillartige Laub und die unterirdischen Pflanzenteile haben einen kräftigdeftigen Geschmack, der z. B. gut mit Schnittlauch in Kräuterquarks passt. In manchen Gegenden wird die Bärwurz zur Herstellung von Kräuterkäse, im Erzgebirge zur Bereitung der Köppernickel-Suppe verwendet.
Im südlichen Schwarzwald wird ein Kräutersalz mit Meersalz und getrockneter Bärwurz hergestellt. Hierfür wird das Kraut vor dem Blühen gesammelt, im Schatten getrocknet und dann klein gemacht und unters Salz gemischt – Verhältnis nach Belieben.
Der in Bayern, vor allem im Bayerischen Wald, bekannte und in zylindrischen, braunen Steingut-Flaschen verkaufte Bärwurz-Schnaps wird entweder aus der Bärwurz-Pflanze oder aus der Mutterwurz hergestellt.
In der Vergangenheit war die Bärwurz ein oft und gerne verwendetes Gewürz, das leider zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Der Doldenblütler kann nämlich sehr vielseitig in der Küche verwendet werden und bereichert viele Gerichte mit einer sehr individuellen Note.
Da die Blätter verhältnismäßig weich sind, sollten diese nicht mitgebraten werden. In dem Fall können eher die Samen bzw. Bärwurzfrüchte gebraucht werden, die bestenfalls mit einem Mörser leicht zerstoßen werden. Im Ofen, v.a. für Kartoffeln oder Fisch eignet sich das Einwickeln in einer Folie. Das Mitkochen der Blätter ist problemlos möglich, da die enthaltenen Geschmacksstoffe sich nicht verflüchtigen.
Außerdem werden die Wurzeln der Pflanze für die Herstellung eines Kräuterlikörs genutzt. Bärwurzwurzeln haben ein intensives würziges und auffallend süßliches Aroma mit einer scharfen Unternote. Kommerziell stellen einige Spirituosenhersteller wie Penninger oder Grassl Bärwurzschnaps her, der auf Grund seiner appetitanregenden und verdauungsfördernden Eigenschaften sowohl Aperitif oder Digestif getrunken wird. Seltener werden Bärwurzsamen für die Herstellung von Schnäpsen genutzt, wobei sich diese geschmacklich schon merklich voneinander unterscheiden.
 
Geschichtliches
Bärwurz wurde oft in Klostergärten angebaut, doch welche Bärwurz in den Kloster-gärten angebaut wurde und dessen Anwendung in Kräuterbüchern zu finden ist schwer zu beurteilen. In der Hexenmedizin ist es eines der Mutterkäuter und wird zur Geburt eingesetzt. In der Küche: Als Gewürz oder Ergänzung zu Gemüse, Salate, Fisch, Suppen, Erbsengerichte, auch als Ersatz für Pastinaken. Im Erzgebirge wird mit Bärwurz die Köppernickelsuppe gekocht. An Vieh wurde meist die getrocknete Bärwurz verfüttert, da die frische Pflanze vom Weidevieh gemieden wird. Die Bärwurz im Bayerischen Wald (Alpen-Mutterwurz) ist eine ähnliche Pflanze aus der gleichen Pflanzenfamilie, daraus wird seit Jahrhunderten der Bärwurzkräuterschnaps hergestellt.
 
Pflanzenbeschreibung
Die Bärwurz ist in Europa heimisch. Der Wurzelstock ist winterhart. Sie wächst bevorzugt auf Wiesen und in lichten Laubwäldern. Die mehrjährige Pflanze wird zwischen 15 und 50 Zentimeter hoch. Die Staude wächst buschig. Der Stängel ist hohl. Der Wurzelstock (das dicke Rhizom) hat einen Faserschopf. Die Blätter sind haarfein gefiedert. Die weißen bis gelblichweißen Blüten erscheinen zwischen Mai und August auf einer 5-15 strahligen Blütendolde. Aus den Bärwurzblüten entwickeln sich im Herbst die Samen. Die Samen sind ca. 7 mm lang und 3 mm dick. Die Bär-wurz hat einen starken Geruch, selbst noch getrocknet (etwa im Herbarium). Er ähnelt insgesamt dem Fenchel. Im Französischen wird Bärwurz Berg- oder Alpenfenchel genannt.
Die Bärwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis zu 60 Zentimetern. Ihr Rhizom ist walzlich, lang und dick und trägt oben einen Faserschopf. Sie bilden Horste. Die Stängelsind aufrecht bis aufsteigend, kahl, kantig-gerieft und nur im oberen Bereich mit ein oder zwei Blättern besetzt. Die Laubblätter sind in einen langen Blattstiel und eine Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist im Umriss länglich oder eiförmig und zwei- bis vielfach fiederschnittig. Die Abschnitte letzter Ordnung sind haardünn, 4 bis 6 Millimeter lang und fast quirlig gebüschelt.
Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Viele Blüten stehen in einem doppeldoldigen Blütenstandzusammen. Die Dolden sind 6- bis 15-strahlig; ohne oder mit ein- bis acht Hüllblättern. Ihre Strahlen sind glatt und fast kahl, aber zur Fruchtzeit ungleich verlängert. Die Döldchen sind reichblütig; meist sind nur die Randblüten und die Mit-telblüte zwittrig, die restlichen sind männlich. Es sind drei- bis acht Hüllchenblätter vorhanden. Die Blüten sind fünfzählig. Die fünf Kronblätter sind weiß oder gelblich-weiß. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Die Frucht ist nussbraun, 6 bis 10 Millimeter lang sowie 3 bis 5 Millimeter breit und sechskantig.
 
Anbautipps
Üblicherweise wird die Bärwurz durch Wurzelteilung nach der Blüte vermehrt, es reichen schon kleine Wurzelstücke um daraus eine Pflanze zu ziehen. Deutlich schwieriger ist die Anzucht aus Samen. Möglichst im Herbst in Töpfen aussäen oder sehr früh im Frühling im Freien, die Samen sind nicht lange keimfähig. Die Bärwurz mag sandigen, lehmigen, mageren und feuchten Boden, der Standort sollte sonnig oder halbschattig sein. Man kann die Bärwurz auch in größeren Töpfen aufziehen. Nicht mit Kalk düngen. Da die Pflanze gleichmäßige Bedingungen liebt, z.B. gleiche Bodenfeuchtigkeit, ist sie etwas schwierig zu kultivieren.
Anbau, Aussaat und Pflege
Bärwurz lässt sich trotz seines natürlichen Verbreitungsgebiets auch im Garten oder auf dem Balkon anbauen. Gleichwohl sind einige wichtige Schritte wie Standort, Aussaat und Düngung zu beachten, um lange Freude an diesem vergessenen Doldenblütler zu haben.
Standort
In seiner natürlichen Umgebung wächst Bärwurz vor allem an sonnigen bis sonnigen bis halbschattigen Standorten, die durch eher saure, humose und leicht durchlässige Böden geprägt sind. Gekalkte Gartenböden und Erden sind folglich nicht geeignet. Zu lehmhaltige Böden sollten mit Sand oder kleinkörnigem Blähton aufgelockert werden. Als Topferde sind Bio-Erden ohne Torfgehalt zu empfehlen, insofern der pH-Wert unter 6,5 liegt.
Aussaat
Die Aussaat der Bärwurzsamen kann im frühen Herbst direkt im Freiland erfolgen. Damit die Samen keimen können, müssen sie zunächst den Zustand der Keimruhe durchleben. Hierzu ist es erforderlich, dass die Samen mehrere Wochen kalten Temperaturen ausgesetzt sind. Bärwurz ist ein Kaltkeimer. Die Aussaatstelle sollte immer leicht feucht sein. Es ist ratsam die Stelle vor gefräßigen Nagern und Vögeln mit einem feinen Netz zu schützen.
Im Freiland wird ein Pflanzabstand von etwa 50 cm je Pflanze empfohlen, da Bärwurz in stark in die Breite wachsen kann. Eine Aussaat auf dem Balkon ist grundsätzlich möglich. Als Pflanzgefäße sollten jedoch ausschließlich tiefe Töpfe bzw. Kübel genutzt werden.
Düngen
Bärwurz ist eine Pflanze mit höherem Nährstoffbedarf. Der Bedarf wächst mit Zunahme des Wurzelwachstums. Im ersten Jahr ist bei einem nährstoffreichen Boden in der Regel keine zusätzliche Düngung notwendig. Empfehlenswert ist ein Mulchen zum Ende der Vegetationsperiode, die meist im Oktober eintritt. Eine Alternative ist die Zugabe von kleinen Mengen an Kompost oder Hornmehl. Kompost sollte jedoch sparsam verwendet werden, da Kompost häufig den pH-Wert anhebt.
Gießen
Der Wasserbedarf von ausgewachsenen Bärwurzpflanzen ist als gering bis moderat einzustufen. Der Doldenblütler ist durch sein Wurzelsystem durchaus imstande eine längere Zeit ohne zusätzliche Wasserversorgung auszukommen. Steht der Bärwurz sonnig bis vollsonnig sollte dieser an aufeinanderfolgenden sehr heißen Tagen in den Abendstunden gegossen werden.
Krankheiten und Schädlinge
Leider ist die Bärwurz bei recht vielen Fraßfeinden wie Schnecken, Blattläusen, Thripsen sehr beliebt. Insofern die Pflanze als Küchenkraut genutzt werden soll, scheiden viele chemische Mittel aus. Bei Thripsen- oder Blattlausbefall können Marienkäferlarven oder spezielle Kräuterjauchen, z.B. von Ackerschachtelhalm und Beinwell, verwendet werden.
Selten kann die Bärwurz von einem Pilz mit dem Namen Nyssopsora echinata befallen werden. Hierbei handelt es sich um einen Rostpilz, der sich vor allem am Stängel ausbreitet. Charakteristisch sind schwarze bis dunkelbraune Stellen, die sich meist an den Blattachseln befinden. Nyssopsora nutzt den Bärwurz dabei vorrangig als Wirtspflanze, um seine Sporen zu verbreiten. Bei Befall empfiehlt es sich die entsprechenden Stellen großflächig abzuschneiden.
 
Sammeltipps
Die Wurzel (Bärenwurzel, Bärenfenchelwurzel) der Bärwurz sollte nur geerntet werden, wenn man sich mit der Bestimmung der Pflanze auskennt, da es ähnlich aussehende aber giftige Pflanzen gibt. Die frisch zerriebenen Blätter riechen nach Anis. Die Wurzel wird gereinigt, geschnitten und im luftigen Schatten gut getrocknet. In einem geschlossenen Behälter lagern, damit sich die ätherischen Öle nicht verflüchtigen. Die feinen Blätter sollten geerntet werden, wenn diese frisch ausgetrieben sind.
Ernte
Von der Bärwurz lassen sich sowohl die Blätter, die Wurzeln als auch die Früchte ernten. Die Blätter können nach der Ernte auch getrocknet werden, wobei der typische Geruch auffallend erhalten bleibt. Die Ernte der Wurzeln lohnt sich in der Regel erst ab dem zweiten Jahr. Ab der Fruchtreife nimmt das Aroma der Blätter leicht ab.
Bestimmung
Bärwurz ist in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet relativ einfach zu bestimmen. Eine Verwechslungsgefahr besteht zwar grundsätzlich mit anderen Doldenblütlern wie Fenchel oder Dill. Letztere sind wild jedoch eher nicht anzutreffen. Die Bestimmung des Krauts kann relativ einfach durch das Zerreiben der Blätter erfolgen. Riechen diese aromatisch nach einer Mischung zwischen Fenchel, Liebstöckel und Petersilie handelt es sich in der Regel um Bärwurz.

BACHBLÜTE HONEYSUCKLE
Man bezieht sich ständig auf Vergangenes, innerlich und in der Unterhaltung mit anderen
Diese beziehen sich ständig auf etwas Vergangenes, innerlich und in der Unterhaltung mit ihren Mitmenschen
Mit der Bachblüte beziehen sich diese Menschen kaum mehr auf Vergangenes

BACHBLÜTE HORNBEAM
Man fühlt sich kopflastig, müde und erschlafft      
Sie fühlen sich sehr oft kopflastig, müde und erschlafft
Mit der Blüte können sie diese Sachen umkehren

Heilmethoden und Heilmittel bei bestimmten Krankheiten
Das Brenneisen
Das Brennen darf nicht zu oft an derselben Stelle durchgeführt werden, weil ansonsten dort eine eitrige Wunde entsteht. Außerdem darf es nicht zu lange und zu unvorsichtig durchgeführt werden. Als schonendes Brennmittel empfiehlt Hildegard den Zunderschwamm, das Mark von Spindelbaum und ein leinenes Tuch, da sie nicht durch die Haut dringen und keine Löcher in Fleisch verursachen. Wenn nämlich nur die Haut verletzt wird, treten lediglich die Säfte aus und die Gesundheit des Menschen bleibt erhalten. Wenn aber das Fleisch mitsamt der Haut Löcher bekommt, geht auch die Gesundheit des Menschen verloren. Der Mensch kann sich zwischen den 12. und dem 60. Lebensjahr brennen lassen, später schadet es nach Hildegards Auffassung mehr, als dass es nutzt.

Nieren- und Blasenleiden
Bettnässen
Dieses Übel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechts häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre und noch länger daran leiden. Ich kannte Eltern, welche ihre Kinder wegen dieses Fehlers grausam bestraften. Sollte eine solche Handlungsweise die Kinder nicht noch armseliger gemacht haben und die ohnehin schon krankhafte Natur derselben nicht noch krankhafter geworden sein? Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur, wird diese gekräftigt, so muss jenes bald weichen.

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