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EBERRAUTE
Die Eberraute ist eine Pflanzenart aus der Gattung Artemisia in der Familie der Korbblütler. Sie wird als Heil- und Gewürzpflanze verwendet. Die Eberraute ist ein Verwandter des Beifußes und des Wermuts. Wie seine Brüder ist er eine mehrjährige Pflanze mit bitterem Geschmack und einem gewissen Cola-Aroma. Früher wurde die Eberraute als Gewürz für fette Speisen verwendet, doch inzwischen ist sie aus der Mode gekommen. Auch als Heilpflanze wurde die Eberraute früher höher geschätzt als heutzutage. Dabei hat sie vielfältige Heilwirkungen. Sie stärkt die Verdauungs- und die Harnorgane, man kann sie gegen Husten und Bronchitis verwenden. Außerdem lindert sie Frauenbeschwerden und aktiviert die Menstruation. Auch gegen Einschlafstörungen und Rückenschmerzen kann man die Eberraute verwenden. Eberraute zählt zu den Gewürz- und Heilkräutern, die über die Jahre etwas in Vergessenheit geraten sind. Durch den sehr bitteren Geschmack und herb aromatischen Duft ist das Artemisiengewächs nicht so populär, wie aromatische oder milde Kräuter wie Dill, Basilikum oder Oregano. Dabei ist Eberraute hervorragend geeignet für zum Würzen von deftigen Fleischgerichten. In der Naturheilkunde werden gelegentlich die verdauungsfördernden Eigenschaften der Pflanze gebraucht.
 
Steckbrief
Heilwirkung: Eigenschaften: abwehrsteigernd, antibakteriell, beruhigend, harntreibend, krampflösend, schweißtreibend, tonisierend, Atemwege: Husten, Bronchitis, Fieber, Verdauungssystem: Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche, Durchfall, Bauchspeicheldrüsenschwäche, Würmer, Harnorgane: Blasenschwäche, Nierenschwäche, Frauenheilkunde: Menstruationsbeschwerden, Menstruationsfördernd, Wechseljahresbeschwerden, Nervensystem: Schlafstörungen, Bewegungsapparat: Rückenschmerzen, Ischias
wissenschaftlicher Name: Artemisia abrotanum
Pflanzenfamilie: Korbblütler = Asteraceae
englischer Name: Herb Royal
volkstümliche Namen: Abraute, Amberbaum, Colakraut, Eberreis, Staubwurz, Zitronenkraut
Verwendete Pflanzenteile: Kraut, Blätter
Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Abrotin, Bitterstoffe, Gerbstoffe
Sammelzeit: August
 
Anwendung
Man kann die Blätter der Eberraute als Tee anwenden. Dazu bereitet man einen Aufguss mit ein bis zwei Teelöffel Eberrautenblätter und lässt ihn fünf bis zehn Minuten ziehen. Davon trinkt man ein bis drei Tassen täglich. Auch als Tinktur kann man die Eberrautenblätter ansetzen. Davon nimmt man dreimal täglich 10-50 Tropfen ein.
Achtung! Die Eberraute darf nicht in der   Schwangerschaft eingesetzt werden.
Die Pflanze scheint in Deutschland ab dem 9. und 10. Jahrhundert kultiviert worden zu sein. Das Capitulare de villis vel curtis imperii und andere Garteninventare nennen sie Abrotanum. Der Abt Walahfrid Strabo meinte im 9. Jahrhundert, sie besitze so viele Vorzüge wie Blätter. Beispielsweise nutzte man sie, um Fliegen und Parasiten zu vertreiben (Repellent). Sie erlangt als Zierpflanze in Trockengärten, Steingärten, Steppengärten oder Schottergärten wieder Popularität, da sie trockenheitstolerant ist.
Eberraute in der Heilkunde
Madaus zufolge nutzten die meisten Autoren das Kraut oder die obersten Triebe, einige auch die Samen. Bei Hippokrates reinigt die Pflanze den Uterus, beschleunigt Geburten und hilft bei Lungenentzündung. Columella nennt sie bei Leibschmerzen der Tiere, Plinius als Bestandteil von Wundsalben, Scribonius Largus mit Wein bei Aconitvergiftung und Brustbeklemmung, Dioskurides bei Atemnot, inneren Brüchen, Krämpfen, Hüftweh, als Diuretikum, Emmenagogum und Antidot. Das Mittelalter nutzte Abrotanum wie im Altertum etwa bei Atemnot, Gelbsucht, Mutterleiden und Wunden. Hildegard von Bingen erwähnt es in einem Rezept für Magenwein. Paracelsus' Indikationen sind laut Madaus Nervenschmerz, Spasmus, Gliederschwäche, Asthma, Husten, Hüftweh, vaginale Ulcera, Spulwürmer, als Diuretikum und Emmenagogum. Das finde sich auch in Lonicerus‘ Kreuterbuch (1564) wieder, der das Kraut mit Sellerie bei Harnsteinen, äußerlich bei Eiterbeulen, mit Rettichöl bei Haarausfall und bei Fieber empfiehlt. Matthiolus‘ New-Kreuterbuch (1626) nennt Stabwurz bei Asthma, Harnverhalt, Harnwinden und Hüftweh. Heckers Praktische Arzneimittellehre (1814) vergleicht es mit der Wirkung von Kamille, Osianders Volksarzneymittel (1829) nennt es bei Menstruationskolik. Madaus zufolge nutzt man Abrotanum bei Tuberkulose auch des Darmes, Lungen- und Bauchwasser mit Kachexie, Anämie, Magengeschwür, Rheuma, Gicht, Frostbeulen, Elephantiasis, volksheilkundlich auch etwa äußerlich mit Bier gekocht gegen Schuppen. Die Homöopathie kennt Abrotanum bei Nabelabsonderungen von Neugeborenen oder bei Durchfall, der mit Magenweh, Hämorrhoiden, Rheuma abwechselt, mit Abmagerung trotz Heißhunger. Gemäß Tabernaemontanus 1625, 1588, half Eberraute – von ihm Stabwurz genannt – gegen das Keichen und Hertzgesperr und tödtet und treibet auss die Würm von alten Menschen und jungen Kindern, wenn es „gepülvert und mit Milch oder Honig eingenommen“ wird. Nach Nicholas Culpeper war Eberraute auch ein wunderbares Mittel gegen männliche Glatzen: „Die Asche der Eberraute wird mit altem Salatöl vermischt und hilft denjenigen, denen das Haar ausgefallen ist und die kahl sind, dass das Haar wieder wächst, entweder auf dem Kopf oder am Bart.“ Medizinische Wirkung wurde bei nervösen Magenbeschwerden festgestellt. Auch eine appetitanregende Wirkung hat sich bestätigt.
Eberraute als Heilkraut
Im Mittelalter war Eberraute, die dort meistens als Stabwurz bezeichnet wurde, ein sehr beliebtes Heilkraut. Man sprach der Eberraute nicht nur eine aphrodisierende und belebende Wirkung zu, Eberraute wurde auch genommen, um Haarausfall zu beheben oder Darmparasiten wie Würmer zu vertreiben. Im Kräuterbuch von P. A. Mattioli (1590) wurde die Eberraute konkret gegen Würmer, Brustschmerzen und zur Behandlung von Geschwülsten verwendet. Eine wichtige Verwendung fand sie als Gegengift (Antidot). Das Kraut kam ferner bei Müttern zur Anwendung, die frisch gebärt haben. Dort wurden Tücher in einen Sud aus Eberraute getränkt und auf die Haut gelegt. Angewendet wurde die Eberraute zu dieser Zeit als Weinauszug, als Tee, als Wickel oder pur. Die Eberraute wurde auch in der Arzneimittellehre des Paracelsus erwähnt.
Eberraute hat teilweise gute antibakterielle Eigenschaften. In einigen Studien konnten u.a. hohe Wirksamkeiten gegen Pseudomonas, Klebsiella pneumoniae und Microccus luteus festgestellt werden. Das in der Eberraute (welches ebenso in anderen Artemisienarten wie Beifuß oder Wermut verkommt) enthaltende Artemisinin wird zudem bei der Behandlung von Malaria angewendet, welches vom Erreger Plasmodium falciparum verursacht wird. Der Gehalt an Artemisin in der Eberraute ist allerdings recht gering.
Eberraute in der Küche
Eberraute findet insbesondere Verwendung in der Würzung von fettigen Gerichten, allen voran werden Gans und Ente mit Eberraute gewürzt. Bei der Dosierung ist allerdings Vorsicht geboten, denn schon geringe Mengen der Würzpflanze Eberraute genügen, um das Essen kräftig zu aromatisieren und ihm einen würzigen und leicht bitteren Geschmack zu verleihen.
Eberraute wird im Handel in zwei Geschmacksrichtungen angeboten: als Zitroneneberraute mit Duft nach Zitrusfrüchten und als Kampfereberraute, die wegen dem süßen, colaähnlichen Duft auch als Colastrauch oder Colaraute bezeichnet wird.
Verwendet wird Eberraute sowohl getrocknet wie auch in Form der frischen Blätter. Da das Aroma der Eberraute beim Trocknen nicht verloren geht, kann man die Pflanze zur Bevorratung trocknen, aber auch einfrieren.
Eberraute ist heute keine gebräuchliche Gewürzpflanze mehr. Es gibt zwei Kulturtypen: Eine mit aufdringlichem Zitronengeruch (Zitroneneberraute) und eine neuere, die noch strenger riecht (Kampfereberraute, Kampferraute). Wegen ihres intensiven und bitteren Geschmackes muss sie sorgfältig dosiert werden. Als Würzkraut ist die Eberraute hauptsächlich zum Verfeinern fetten Fleisches geeignet. Die Bitterstoffe entfalten hierbei eine appetit- und verdauungsfördernde Wirkung. Bisweilen wird sie auch zartem Fleisch zugesetzt. Ähnlich wie Petersilie kann sie in ein Bouquet garni integriert werden.
 
Pflanzenbeschreibung
Die Eberraute ist in Südeuropa heimisch. In Mitteleuropa wurde die Eberraute als Würz- und Heilpflanze schon im Mittelalter angebaut. Die mehrjährige Verwandte des Beifußes hat sehr viele, ganz feine Blätter, die an Federn erinnern. Die Blätter sind hellgrün.
Die Eberraute wächst als Halbstrauch oder ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 50 bis 130, selten bis zu 170 Zentimeter. Sie ist aromatisch duftend. Die Wurzeln sind dick und verholzen. Jede Pflanze bildet relativ viele aufrechte, verzweigte Stängel, die an ihrer Basis verholzen können und braun, kahl oder spärlich behaart sind. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die bei einer Länge von (2 bis) meist 3 bis 6 Zentimeter und einer Breite von 0,2 bis 1,5 Millimeter im Umriss breit eiförmige Blattspreite ist zwei- bis dreifach fiederteilig. Die Blattabschnitte sind linealisch bis fadenförmig. Die Blattoberseite ist kahl und die Blattunterseite ist spärlich behaart.
Die Blütezeit reicht vom Spätsommer bis Herbst. In bei einer Höhe von 10 bis 30 Zentimeter und einem Durchmesser von 2 bis 10 Zentimeter weit verzweigten Gesamtblütenständen sind zahlreiche, nickende, relativ kleine körbchenförmige Teilblütenstände angeordnet. Die eiförmige Körbchenhülle enthält viele, dachziegelartig angeordnete, angedrückte und spärlich behaarte, länglich-elliptische Hüllblätter. Der flache Körbchenboden besitzt keine Spreublätter. Die Blüten sind alle röhrig. Die 14 bis 16 (selten bis zu 20) in der Mitte stehenden Blüten sind zwittrig und die meist vier bis acht (selten bis zu 15) randständigen weiblich. Die drüsigen, gelben Kronblätter sind zu einer 0,5 bis 1 Millimeter langen Röhre verwachsen. Die kahlen und oft hellbraunen Achänen sind bei einer Länge von 0,5 bis 1 Millimeter ellipsoid, zwei- bis fünfkantig sowie schwach gerippt.
 
Aussäen und pflanzen
Die Eberraute hat an Standort einige Ansprüche. Eberrauten gedeihen am besten an warmen Plätzen mit voller Sonne. Die Erde bzw. der Boden sollte locker, leicht kalkig und durchlässig sein, so dass Staunässe vermieden wird. Sand, Kies und Steine im Boden unterstützen den Wasserabfluss. Bei der Anpflanzung im Kräutergarten ist die Beimischung von Zuschlagstoffen wie Bims oder Zeolith vielversprechend. Hinsichtlich der Pflege sind Eberrauten sehr anspruchslos; lediglich im Frühjahr werden etwas Hornspäne oder Kompost in den Boden eingearbeitet, kalkarme Böden werden mit Gartenkalk angereichert. Das Bewässern der Pflanze sollte sparsam erfolgen.
Eberrauten zählen zu den Lichtkeimern. Bei der Aufzucht von Eberraute aus Samen werden die Samen nur lose auf die Erde gestreut und vorsichtig angedrückt, ohne mit Erde bedeckt zu werden.
Für die Vermehrung über Stecklinge wird einfach ein langer Trieb mit Blattspitzen abgeschnitten und in die Erde gesteckt. Bereits kurze Zeit später bilden sich erste Wurzelansätze. Wenn die Sommermonate relativ kühl sind, bildet die Pflanze keine Blüten und somit keine Samen aus. Die Stecklingsvermehrung erscheint daher die effektivere Art.
Damit die Pflanze nicht aus der Form gerät, wird ein Rückschnitt im Frühjahr empfohlen. Da die Pflanze zum voluminösen Wuchern neigt, sollte Eberraute mit etwa einem halben Meter Abstand zu anderen Pflanzen eingepflanzt werden. Die benachbarten Pflanzen profitieren gleichzeitig durch die Anwesenheit von Eberrauten, da die duftenden ätherischen Öle unerwünschte Fraßschädlinge fernhalten.
 
Andere Sorten
Von der Eberraute gibt es mehrere Unterarten bzw. Sorten. Einige Duftpflanzen gehören dazu, bei denen die Eberraute andere Duftnoten hat als die normale Eberraute. Auf dem Foto sehen Sie beispielsweise den Colastrauch, der nach Coca-Cola duftet.

KIRSCHE
Leckere Kirschen kennt fast jeder, sind sie doch ein süßes Symbol des Hochsommers. Die schönste Zeit des Frühlings wird durch die zauberhaften Kirschblüten eingeläutet, die in Japan ganze Volksscharen in die Parks locken. Kirschen sind nicht nur wohlschmeckend, sondern auch gesund und regen den Stoffwechsel an. Dass aber auch die Stiele der Kirschen eine Heilwirkung haben, denn sie können Husten lindern, weiß kaum jemand. Wenn man das zum ersten Mal erfährt, muss man unwillkürlich an die zahlreichen Kirschstiele denken, die man im Laufe seines Lebens achtlos fortgeworfen hat. Die Sauerkirsche oder Weichselkirsche, in Altbayern, Österreich und der Schweiz oft kurz Weichsel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse. Sie wird als Obstbaum genutzt.
 
Steckbrief
Heilwirkung: adstringierend, blutbildend, harntreibend, Husten, Fieber, Durchfall, Ödeme, Nervosität
wissenschaftlicher Name: Cerasus vulgaris, Prunus cerasus, Cerasus avium, Prunus avium
Pflanzenfamilie: Rosengewächse = Rosaceae
englischer Name: Cherry
volkstümliche Namen: Vogelkirsche, Süßkirsche, Sauerkirsche, Weichselkirsche, Morellen
Verwendete Pflanzenteile: Früchte, Kerne, Stiele
Inhaltsstoffe: Alantoin, Amygdalin, Asparagin, Vitamin C, Cyanidin, Methylsalicylat
Sammelzeit: Juni und Juli
 
Anwendung
Im Altertum galten Kirschen als nützlich bei Störungen der Darmfunktion. Sauerkirschen enthalten die Vitamine A, B1, B2, C und E, sowie nennenswerte Mengen an Kalium und Folsäure. Darüber hinaus sind Sauerkirschen eine reichhaltige Quelle an Anthozyanen 1 und 2. Diese rot-violetten Pflanzenfarbstoffe können dazu beitragen die Enzyme Cyclooxigenase 1 und 2 in unserem Körper zu hemmen, welche mit dem Auftreten von Entzündungen und Schmerzen in Verbindung gebracht werden. Außerdem sollen Sauerkirschen in der Lage sein den Harnsäurewert im Körper zu senken, indem sie die Ausscheidung ankutbeln. Dadurch und dank der entzündungshemmenden Wirkung können Sauerkirschen in der Gichttherapie und bei Hyperurikämie eingesetzt werden. Auch bei Arthritis und anderen entzündungsbedingten Erkrankungen haben sich Sauerkirschen als wirksam erwiesen. Allgemein scheint das entzündungshemmende Potential der Sauerkirsche für einen positiven Nutzen im Rahmen der Bekämpfung von Gefäßerkrankungen zu sorgen. Speziell im Falle des sogenannten metabolischen Syndroms und damit bei abdomineller Fettleibigkeit, Bluthochdruck, niedrigem HDL-Cholesterin, Fettstoffwechselstörungen und Typ-2 Diabetes mellitus konnten vielversprechende Ergebnisse erzielt werden. Weitere Studien deuten auf ein allgemein hohes Potential von Sauerkirschen zur Senkung von oxidativem Stress hin. Des Weiteren stellen Sauerkirschen eine der wenigen Quellen von natürlichem Melatonin dar. Melatonin wird im menschlichen Körper in der Zirbeldrüse produziert und reguliert den Schlaf-Wachrhythmus. Ein Mangel kann dementsprechend zu Schlafstörungen führen. Sauerkirschen können bis zu 13,5ng Melatonin pro Gramm enthalten. Besonders die Sorte Montmorency zeichnet sich z. B. gegenüber der Sorte Balaton durch einen etwa sechsfachen Melatoningehalt aus. Daraus resultierend wird der Sauerkirsche eine positive Wirkung bei Schlafstörungen nachgesagt. Sauerkirschsaft kann bei regelmäßigem Verzehr durch ungewohnte sportliche Belastung entstandenen Muskelkater und Muskelerschöpfung reduzieren und helfen belastungsinduzierte Entzündungen im Respirationstrakt zu vermeiden. Darüber hinaus scheinen Sauerkirschen einen positiven Einfluss auf die Knochendichte und damit auf die Osteoporose-Prävention zu haben. Auch im Rahmen der Schlaganfall-Prävention konnten in Studien vielversprechende Ergebnisse im Zusammenhang mit Sauerkirschen und den in ihnen enthaltenen Anthozyanen erzielt werden. In zwei unabhängigen Studien wurden außerdem durch einen kombinierten Einsatz von Sauerkirschen und essentiellen Fettsäuren, bzw. durch extrahierte Sauerkirsch-Anthozyane (Cyanidin-3-O-glucosid) positive Resultate in Bezug auf Alzheimer und eine allgemein neuroprotektive Wirkung erzielt.
Heilkräftige Pflanzenteile
Gesammelt werden sowohl von den wilden als auch von den veredelten Formen die Früchte samt den Stängeln. Die Früchte schmecken süß, erfrischend, die Kerne und Stiele riechen und schmecken bitterlich mandelartig. Manchmal wird das aus der Rinde ausfließende Harz gesammelt. Die reifen Früchte haben ein feines Aroma, schmecken jedoch säuerlich.
Heilwirkung
Die Kirschen sind durch ihre Armut an Fett, Salz und Eiweiß für die Krankendiät sehr wichtig, besonders bei Herz- und Gefäßerkrankungen. Bei Nierenleiden sowie bei Gicht und Rheumatismus. Kirschen werden den Herzkranken als Kompott gereicht, nicht nur weil es stärkend und belebend nach oben gegen das Herz drängt. Die Armut an Fett- und Nährstoffen macht die Kirschen sehr geeignet zu einem Diätmittel bei Entfettungskuren. Dem Zuckerkranken kann man Kirschen in mäßigen Mengen reichen, da der größte Teil des Zuckers sogenannte Lävulose ist, eine Zuckerform, die dem Zuckerkranken nicht schadet.
Offizinell ist der Weichselsaft. Er ist nicht nur ein kühlendes Getränk bei hitzigen Fiebern, sondern besitzt vor allem eine harntreibende Kraft. Er ist Wassersüchtigen sehr zu empfehlen. Zu seiner Herstellung werden nicht nur die Früchte, sondern auch die vorerst ausgelösten und zerstoßenen Kerne mit ausgepresst. Auf 1 Teil Saft kommen 2 Teile Zucker. Der Saft wird ganz leicht überkocht, in Flaschen gefüllt und nun sterilisiert, wie beim Apfelsaft angegeben.
Anwendung in der Volksheilkunde
Aus den Früchten erzeugt man den sogenannten „Kirschgeist“. Dieser tut dem Magen sehr wohl, erwärmt ihn und beseitigt schlagartig alle Magenbeschwerden, die ein zu kalter Trunk (im Sommer!) ausgelöst hat. Der Kirschgeist wirkt bei Schwächeanwandlungen belebend. Als Einreibung stärkt er die übermüdeten Glieder.
Frischer oder im Sterilisationsverfahren konservierter alkoholfreier Kirschsaft wirkt herzstärkend.
Die Kirschstiele werden gut getrocknet und ergeben einen sehr guten schleimlösenden Brusttee. Bei Bleichsucht soll man ebenfalls viel Kirschstängeltee trinken.
Das Harz, welches aus Wunden der Rinden fließt, wird in Wein zerlassen und bei altem chronischem Husten getrunken. Das Harz statt in Wein in echtem Essig zerlassen und in dieser Flüssigkeit die räudige Körperstelle gebadet, bringt die Räude bald zum Verschwinden. Auf den Kopf gebracht, vertreibt man damit die Kopfschuppen.
Die Kirschenkerne zu Pulver verrieben und mit Wein eingenommen, vertreiben den Grieß und Stein.
Gedörrte Weichsel gegessen, stillen den Durchfall und die Ruhr. Die aufgeschlagenen, vom harten Gehäuse befreiten Kerne (täglich 3mal 6 Stück gegessen) sind eine Mittel gegen den Stein, töten die Würmer im Leib, stillen das Husten und treiben den Harn. Die Kirschenstiele und das Harz werden genauso angewendet wie bei der Vogelkirsche.
Kirschen
Die häufigste Anwendung der Teile des Kirschbaums ist natürlich das Essen der Früchte. Sie enthalten Vitamine und sekundäre Pflanzenwirkstoffe, aber nur wenig Fett und Eiweiß, was sie als Diätfrucht geeignet macht. Der Genuss der Früchte regt Verdauung und Harnorgane an und stärkt den Stoffwechsel. Herz- oder Magenkranke können die Kirschen als Kompott essen, dann sind sie leichter verdaulich und es kommt auch nicht zu Blähungen, die das Zwerchfell nach oben drücken könnten.
Kirschstiele
Die Stiele der Kirschen helfen, als Tee zubereitet, gegen hartnäckigen Husten. Der Schleim in den Atmungsorganen wird gelöst und kann leichtert abgehustet werden. Außerdem kann man Kirschstieltee bei Blutarmut verwenden.
Kirschkerne
Die getrockneten Kerne der Kirschen kann man mahlen und zusammen mit Wein einnehmen. Sie stehen in dem Ruf, Nieren- und Blasengries lösen zu können.
Harz
Das Harz, das nach dem Beschneiden von Kirschbäumen ausfließt, kann man in Wein einlegen oder als Tinktur zubereiten. Man kann diese Zubereitungen bei chronischen Husten einnehmen.
 
Pflanzenbeschreibung
Die Sauerkirsche kann als Busch, Strauch oder Baum wachsen und erreicht Wuchshöhen von 1 bis zu 10 Metern. Als Baum weist sie eine lockere, rundliche Krone auf. Ihre Äste sind abstehend und hängen oft über. Die Rinde ist rötlichbraun, glänzend und hat große Lentizellen. Später entwickelt sich eine Ringelborke. Junge Zweige sind dünn und kahl. Die Langtriebe besitzen eine Endknospe. Kurztriebe entspringen gehäuft an den Enden der Langtriebe. Die Laubblätter sind 5 bis 12cm lang, 4 bis 6 cm breit, elliptisch-eiförmig und meist zugespitzt; ihre Oberfläche ist glänzend und etwas lederig. Die Unterseite weist lediglich an den Nerven eine schwache Behaarung auf, der Blattrand ist fein und oft doppelt gesägt. In der Knospenlage sind die Blätter gefaltet. Der Blattstiel ist 1–3cm lang und kann Drüsen aufweisen. Die Blüten der Sauerkirsche sind zu zweien bis vieren in sitzenden Dolden angeordnet. Die Knospenschuppen bleiben bis nach dem Verblühen an den Dolden vorhanden. Die inneren Knospenschuppen sind aufrecht. Am Grund der Dolden befinden sich wenige, kleine Laubblätter. Die Blüten erscheinen zeitgleich mit den Blättern. Der Blütenstiel ist 2–4 cm lang, kahl und abstehend. Die Blüten haben einen Durchmesser von 2–2,5 cm. Der Blütenbecher ist breit glockenförmig und kahl. Die Kelchblätter sind kahl, bräunlich und in der Regel fein gezähnt. Die Kronblätter sind weiß, 10–13 mm lang, ganzrandig und fast kreisrund. Die ungefähr 20 gelben Staubblätter sind ein bisschen kürzer als die Kronblätter. Die Stein-frucht der Sauerkirsche hat einen Durchmesser von 15 bis 20 mm und ist mehr oder weniger kugelig, geringfügig höher als breit, kahl, unbereift und hell- bis schwarzrot. Das Fruchtfleisch schmeckt säuerlich und ist rot gefärbt oder ungefärbt. Der Steinkern ist bis zu 10 mm lang, kugelig bis eiförmig, stumpf und glatt. Ihre Blütezeit reicht von April bis Mai.
Es gibt mehrere Arten von Kirschbäumen, die Sauerkirsche, die fast nur kultiviert vorkommt, die Süß- oder Vogelkirsche, deren wilde Form mit kleinen Früchten es immer noch in lichten Wäldern gibt und die als kultivierte Form in Gärten dicke, süße Früchte trägt. Kirschbäume werden bis zu 20m hoch. Je nach Gegend erscheinen die weißen Blüten im April oder Mai. Die Blüten haben fünf Blütenblätter und umhüllen oft die ganzen Zweige des Baumes mit duftigem Weiß. In Japan ist die Zeit der Kirschblüte ein wichtiges Volksfest und auch andernorts gilt die Kirschblüte als Beginn des Frühlings. Gegen Ende der Blütezeit entfalten sich auch immer mehr Blätter, die spitz-oval sind. Die Kirschen sind im Juni oder Juli reif und hängen hell- oder dunkelrot meist in Zweiergruppen von den Zweigen.
Botanik
Der Vogelkirschbaum wird bedeutend höher, etwa 10 bis 20m hoch. Er hat eine glatte, quer aufspringende Rinde. Die Blätter sind doppelt gesägt, etwas runzelig, unten flaumig, mit 2 Drüsen am Stiel. Die Blüten stehen im Dolden und sind schneeweiß. Die Früchte sind etwas größer, zu 2 bis 3 gebüschelt, meist schwarz oder auch rot.
Der Baum ist gekennzeichnet durch dünne hängende Äste und glänzende glatte Blätter, die kleiner und dunkler sind wie die der Vogelkirsche. Die Blüten sind weiß die Früchte gelblich bis purpurrot, von saurem Geschmack.
Blütezeit
April, Mai
Fruchtreife
Ende Juni und Juli
Standort
Der Kirschbaum hatte ursprünglich seine Heimat in Kleinasien und ist heute in Baum der mitteleuropäischen Laubwälder.
Bereits vor rund 2.000 Jahren brachte der römische Feldherr und berühmt gewordene Feinschmecker Lucius Lucullus den ersten Kirschbaum aus Kleinasien nach Rom. Die über die Alpen ziehenden Mönche mühten sich ab, den wärmeliebenden Kirschbaum an unser Klima zu gewöhnen und rund 800 Jahre später finden wir in den Capitularen Karls des Groß bereits einige Kirchbaumsorten zur Anpflanzung empfohlen. Seit damals dürfte der Kirschbaum auch in unseren Wäldern heimisch geworden sein, ist dort verwildert und wird vielfach aus den Wäldern in Baumschulen und Hausgärten verpflanzt, um immer wieder in neue Sorten veredelt zu werden. Heute werden über 300 eingetragene Kirschbaumsorten gezählt, so großen Anklang fanden die Kirschen. Zur Kirschzeit finden wir sie überall am Tisch der Reichen wie auch in der ärmsten Hütte.
Einmal mussten sie aber auch an einer Untat mitwirken, als Witigi I. 1265 den Markgraf Friedrich von Meißen durch vergiftete Kirschen ums Leben brachte. Und seit damals besteht die Redensart, „mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen.“
Doch der Dichter Johann Peter Hebel (1760 – 1826) weiß etwas viel Schöneres vom Kirschbaum zu berichten:
Zur Frühlingszeit sagt der liebe Gott:
„Deck jetzt dem Bienchen seinen Tisch!“
Da treibt der Kirschbaum Blüt um Blüt,
Viel tausend Blüten, weiß und frisch.

BACHBLÜTE RED CHESTNUT
Man hat Angst, dass sich hinter harmlosen Beschwerden des anderen eine schlimme Krankheit verbergen könnte
Diese haben Angst, dass sich hinter einer harmlosen Beschwerde ihres Mitmenschen eine schlimme Krankheit sein könnte
Mit Red Chestnut können sie diese Angst hinter einem lassen

BACHBLÜTE ROCK ROSE
Man hat nervlich nicht viel zusetzen            
Diese Menschen haben nervlich viel zu setzen
Mit der Bachblüte können sie nervlich wieder etwas zusetzen

Hildegards Lebens- und Heilmittel
Wild
Wildfleisch gilt, mit Ausnahme des Kaninchens, als besonders mager. Es enthält zahlreiche Nährstoffe, vor allem Vitamine aus der B-Gruppe sowie Eisen, Zink und Selen. Der Cholesteringehalt entspricht etwa dem anderer Fleischarten. Auch Gichtkranke können ohne Bedenken Wildfleisch essen. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war Wild einige Jahre stark mit radioaktivem Cäsium belastet. Seit etwa 10 Jahren können bei Reh-, Rot- und Damwild kaum noch Belastungen nachgewiesen werden. Nur Wildschweine haben hin und wieder höhere Werte, weil sie gelegentlich verunreinigte Pflanzenteile aus dem Boden fressen. Dennoch besteht laut amtlichen Angaben beim Verzehr von normalen Mengen Wildfleisch keine Gefahr für die Gesundheit.
REH UND HIRSCH
Beide Fleischarten werden von Hildegard bei Verschleimungen, Blähungen und Magen-Darmleiden empfohlen, die Rehleber gilt als Heilmittel für die sogenannte „Vichtkrankheit“, bei der es sich um ein Vorstadium von Krebs handelt: „Das Reh ist gemäßigt und sanft und hat eine reine Natur. Es sucht die Kräuter, die von der Luft wachsen und so frisst es gutes und gesundes Futter. Sein Fleisch ist für gesunde und kranke Menschen gut.“
WILDSCHWEIN
Dem Wildschwein hält Hildegard ähnlich positive Eigenschaften wie Reh und Hirsch zugute. Die Subtilität seines Fleisches ist besonders hoch, wenn es in Kastanienwälzern aufwächst. Hildegard empfiehlt den Verzehr von Wildschweinfleisch bei Kräfteverfall.

Behandlungen von Krankheiten
Bei den beschriebenen Fällen kommt es Kneipp vor allem darauf an, nicht die einzel-nen Krankheiten sachlich abzuhandeln, sondern dem Leser Symptome und Heilmittel der Erkrankung anschaulich, in unterhaltsamer Form geschrieben und mit zahlrei-chen Beispielen aufwartend, vor Augen zu führen.
Die Krankheitsbezeichnungen, die Kneipp in seinen Werken verwendet, wurden auch hier übernommen. Sie entsprechen jedoch nicht den medizinisch korrekten Namen, sondern richten sich nach den im Volksmund bekannten Benennungen.
Meist schließlich die einzelnen Behandlungsweisen der Krankheiten nicht nur eine äußerliche Anwendung, sondern auch die Heilwirkung nach innen mit ein. Zunächst wirken die Namen der Kräuter, die Kneipp für die Zubereitung von Tee verordnet, vielleicht etwas fremd. Die genauen Beschreibungen und Dosierungsweisen hierfür sind jedoch im nächsten Teil des Buches aufgeführt.

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