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WACHOLDER
Der Gemeine Wacholder, auch Heide-Wacholder (Volksnamen: Machandelbaum, Kranewittbaum, Reckholder, Weihrauchbaum, Feuerbaum), ist eine Pflanzenart, die zur Gattung Wacholder aus der Familie der Zypressengewächse gehört. Die Wacholder sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Cupressoideae aus der Familie der Zypressengewächse. Mit den etwa 50 bis 70 Arten, die dieser Gattung zugerechnet werden, stellen sie fast 40 Prozent der Arten innerhalb der Zypressengewächse. In Mitteleuropa kommen in freier Natur nur zwei Arten vor, nämlich der Gemeine Wacholder und der Sadebaum. Die säulenartigen Wacholderbüsche stehen in vielen Gärten. Früher standen sie dort, weil sie eine ganze Hausapotheke in sich vereinigen, heute ist es eher das gute Aussehen und die langsame Wachstumsgeschwindigkeit, die Gartenbesitzer zum Anpflanzen des Wacholders bringen. Wild wächst der Wacholder in großen Mengen in der Lüneburger Heide, aber auch in anderen Gegenden wächst er vereinzelt wild. Er gedeiht bis ins Hochgebirge. Die Heilwirkung des Wacholders reicht von der Förderung der Verdauung über die Harnorgane bis zum Atmungsapparat und Infektionskrankheiten.
 
Steckbrief
Heilwirkung: antibakteriell, blutbildend, blutreinigend, harntreibend, schleimlösend, schmerzlindernd, schweißtreibend, tonisierend, Appetitlosigkeit, Mundgeruch, Verdauungsschwäche, Sodbrennen, Magenschwäche, Gastritis, Darmentzündung, Blähungen, Leberschwäche, Stoffwechsel anregend, Diabetes (leichte Formen), Arthritis, Rheuma, Gicht, Muskelrheuma, Ischias, Blasenleiden, Blasenentzündung, Blasengries, Blasensteine, Kreislauf stärkend, Nervöse Herzbeschwerden, Wassersucht, Husten, Bronchitis, Atembeschwerden, Erkältung, Kopfschmerzen, Migräne, Gereiztheit, Menstruationsbeschwerden, Zahnfleischentzündung, Schlecht heilende Wunden, Krampfadern, Psoriasis
wissenschaftlicher Name: Juniperus communis
Pflanzenfamilie: Zypressengewächse = Cupressaceae
englischer Name: Junipers
andere Namen: Feuerbaum, Heide-Wacholder, Jachelbeerstrauch, Kaddig, Knirk, Knirkbusch, Krametbaum, Kranawetsbaum, Kranawitten, Qekholder, Reckholder, Wachandel, Weckhalter, Wachulder, Wachtelbeerstrauch, Weihrauchbaum
falsche Schreibweisen: Wachholder
Verwendete Pflanzenteile: Beeren, Nadeln, Triebspitzen, Holz, Wurzeln
Inhaltsstoffe: Bitterstoff Juniperin, Betulin, Kampfer, Zitronensäure, Flavone, Pentosan, Phosphor, Gallussäure, Gerbstoff, Gerbsäure, Harz, Linolensäure, Mangan, Menthol, Oxalsäure, Terpineol, Umbelliferon, Zink, ätherisches Öl
Sammelzeit: April bis Juli
 
Anwendung
Alle Teile des Wacholderbaums sind heilwirksam. Darum gehörte er früher auch in jeden Garten. Hauptsächlich die Wacholderbeeren werden in der Heilkunde und der Küche verwendet. Aber auch die Triebspitzen, das Holz und sogar die Wurzeln können benutzt werden. Die Heilwirkung des Wacholders, allen voran der Wacholderbeere, ist sehr vielfältig und betrifft fast alle gängigen Krankheiten.
Atemwege
Ein Dampfbad, dem ätherisches Wacholderöl beigefügt wurde, hilft gegen Bronchitis und infektiöse Lungenerkrankungen. Es erleichtert nicht nur die Atmung, fördert das Abhusten und vermindert die Schleimbildung, sondern wirkt auch stark antibakteriell.
Wacholdersirup gegen bakteriellen Husten
Für Kinder (und auch Erwachsene) kann man einen Wacholdersirup herstellen. Dazu nimmt man 100g Wacholderbeeren und 400ml Wasser. Die Beeren zerquetscht man und gießt das Wasser kochend über die Beeren. Über Nacht lässt man die Mischung zugedeckt ziehen. Am nächsten Tag langsam erhitzen und kurz aufkochen. Anschließend durch ein Sieb streichen. Danach nochmal aufkochen. Zum Schluss Honig oder Zucker hinzufügen, wenn man mag. Von diesem Sirup gibt man Kindern 2 TL pro Tag und Erwachsenen 4 TL. Er ist vor allem bei bakteriellen Lungenkrankheiten zu empfehlen, weil er nicht nur den Husten lindert, sondern auch die Bakterien tötet. Als Nebeneffekt wird der Ap-petit gesteigert und der Stoffwechsel angeregt.
Wacholder-Tee für Verdauung, Harnorgane und Stoffwechsel
Als Tee oder Tinktur kann man die Wacholderbeeren zur Förderung der Verdauung benutzen. Bei Entzündungen im Verdauungstrakt werden Bakterien getötet und außerdem werden die Verdauungsorgane zur Arbeit angeregt. Wacholdertee hilft auch bei Erkrankungen des Harnapparates. Die Nierentätigkeit wird angeregt und die Ausscheidung gefördert. Dadurch werden auch Ödeme gelindert. Bei Nierenentzündung sollte der Wacholder jedoch nicht verwendet werden, weil er die Nieren zu stark reizt. Über die Förderung des Stoffwechsels und die entgiftende Wirkung kann Wacholder-Tee auch gegen Migräne, Konzentrationsschwäche und nervöse Herzbeschwerden helfen. Auch leichte Formen von Diabetes können günstig beeinflusst werden. (Natürlich nur begleitend zur ärztlichen Behandlung) Wacholder-Tee wird mit zerquetschten Beeren hergestellt. Je ein Teelöffel Beeren auf eine Tasse Aufguss. 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, reicht aus.
Frauenbeschwerden
Wacholdertee kann auch bei Frauenbeschwerden helfen. Er fördert die Durchblutung des Unterleibs, was den monatlichen Zyklus günstig beeinflussen kann.
Wacholdertinktur
Wacholdertinktur kann man bei Beschwerden der Verdauungs- und Harnorgane einsetzen. Nach schweren Mahlzeiten helfen ein paar Tropfen Wacholder-Tinktur dem Magen bei der Arbeit. Auch bei Bronchitis kann man den Wacholder als Tinktur verabreichen. Äußerlich angewandt lindert Wacholdertinktur Beschwerden des Bewegungsapparates. Man kann die Tinktur bei Rheuma, Gicht oder Ischias auf die betroffenen Stellen auftragen.
Ätherisches Öl gegen Gelenkbeschwerden
Das ätherische Öl der Wacholderbeeren zieht durch die Haut sehr gut in den Körper ein und kann daher äußerlich angewendet in kranke Gelenke einziehen und dort heilend wirken. Diese Wirkung gilt auch für Nervenschmerzen, die mit dem Bewegungsapparat in Verbindung stehen, wie beispielsweise Hexenschuss oder Ischias. Man kann Umschläge mit heißem oder kaltem Wasser und einigen Tropfen ätherischem Wacholderöl machen, je nachdem, ob den Gelenken Wärme oder Kälte besser bekommt. Das ätherische Wacholderöl sollte man nicht unverdünnt auf die Haut auftragen, weil es hautreizend wirkt.
Fußbad aus Triebspitzen
Ein Fußbad mit einer Abkochung aus den Triebspitzen oder Nadeln des Wacholderbaumes fördert die Durchblutung in den Füssen und behebt Stauungen.
Kadeöl für Hautprobleme
Das Kadeöl wird durch Destillation aus dem Holz des Wacholderbaumes gewonnen. Man kann das teerartige Öl gegen Schuppenflechte und andere chronische Hautausschläge anwenden.
Zerkauen der Beeren
Eine einfache Anwendung ist das Kauen der Beeren. Es soll bei Ansteckung vor Infektionen helfen. Außerdem kann das Kauen von Wacholderbeeren bei Sodbrennen helfen und die Verdauungsanregen. Auch gegen Mundgeruch hilft das Kauen der Beeren.
Wacholder in der Heilkunde
Wacholder als Tee fördert die Verdauung, Harnausscheidung und wirkt bei Sodbrennen. Er unterstützt die Rheuma- und Gicht-Therapie. Wacholder ist als Diuretikum allerdings so nicht zugelassen. Die diuretische Wirkung kommt durch die nierenreizenden Inhaltsstoffe der Scheinfrüchte zustande. Wacholder darf deshalb nur in Kombination mit anderen Diuretika eingesetzt werden, da die Verwendung des Wacholder als Einzeldroge sonst leicht zu einer Überdosierung und daraus resultierenden Nierenschäden führen kann. Im Mittelalter fanden Wacholderbeeren unter anderem als Zutat zu Salben bei der Behandlung von Gelenkerkrankungen Verwendung.
Heilkräftige Pflanzenteile
Vom Wacholderbaum bzw. -strauch ist alles heilsam. Wir sammeln in erster Linie die reifen, nicht eingeschrumpften oder braun gewordenen Beeren (Früchte), Bacca Juniperi oder Fructus Juniperi. Diese dürfen nicht an der Sonne getrocknet werden, auch künstliche Wärme ist ungeeignet. Auf rußfreien, zugigen Dachböden, in dünner Schichte auf einer Hürde, so daß auch von unten Luftzutritt möglich ist, wäre die beste Trocknungsgelegenheit. Das Trocknen im Backrohr ist unbedingt abzulehnen. Bei der Aufbewahrung der getrockneten Beeren sind Papier-, Nylon- oder Leinensäckchen ungeeignet, desgleichen Blech- oder sonstige Metallgefäße. Gut schließende, innen nicht mit Ölfarbe oder Lack gestrichene Holzschachteln oder Glasgefäße mit Glasdeckel (Weck- oder Rexgläser) wären am geeignetsten. Man sammelt die Beeren im Oktober.
Die Nadeln und Triebspitzen (Äastchen), Herba bzw. Sumitates Juniperi, werden von April bis gegen Ende Juli gesammelt. Die Trocknung und Aufbewahrung nach entsprechendem Kleinschnitt erfolgt genauso wie bei den Beeren.
Das Wacholderholz, Lignum Juniperi, von jungen Ästen wird ebenfalls von April an bis gegen Ende Juli gesammelt. Die Trocknung und Aufbewahrung erfolgt nach entsprechendem Kleinschnitt genau so wie bei den Beeren.
Das Wacholderöl, Oleum Juniperi, hauptsächlich in den Beeren enthalten und aus diesen gewonnenen, kann nicht gut selbst hergestellt werden und ist in der Apotheke oder in der Drogerie erhältlich.
Das Kadeöl, Oleum cadum oder Oleum Juniperi empyreumaticum, wird durch Destillation aus dem Wacholderholz gewonnen und ist ebenfalls in der Apotheke oder Drogerie erhältlich.
Der Wacholderspiritus, Spiritus Juniperi, besteht aus 1 Teil Wacholderöl und 3 Teilen Weingeist. Er wird für empfindliche Personen außerdem noch mit 1 Teil abgekochtem Wasser verdünnt. Der Wacholderspiritus darf nicht verwechselt werden mit dem
WACHOLDERBRANNTWEIN, der durch Destillation von Weingeist oder Schnaps (Korn-branntwein) über Wacholderbeeren gewonnen wird. Ein Spitzenerzeugnis auf diesem Ge-biet ist der markengeschützte echte Steinhäger. Außerdem darf der Wacholderspiritus nicht verwechselt werden mit der
WACHOLDERBEERENTINKTUREN, Tinctura Juniperi, die durch Ansetzen von Wacholderbeeren in Weingeist oder Kornbranntwein und Destillation an der Sonne hergestellt wird.
Das WACHOLDERMUS, Succus Juniperi inspissatus und der WACHOLDERSAFT, Succus Juniperi, werden aus den Beeren, mit oder ohne Zucker hergestellt. Schließlich werden die Wacholderbaumwurzeln, Radix Juniperi, jedoch nur selten, in der Volksheilkunde verwendet.
Heil- und Wirkstoffe
Ein relativ hoher Gehalt an ätherischem Öl, hauptsächlich aus Terpenen bestehend, der Bitterstoff Juniperin, Gerbstoff, Harz, ein wachsähnliches Fett, Pentosane, Pektin, ein Gerbstoffglykosid, Traubenzucker, Ameisen- und Essigsäure, Inosit, Invertzucker, Calcium, besonders als apfelsaurer Kalk, Kalium, essigsaures Mangan, die Triebspitzen und jungen Nadeln enthalten auch Vitamin C.
Heilwirkung
Die Heilwirkung ist so vielseitig, daß schon Hieronymus Bock, 1577, in seinem Kreuterbuch über den Wacholderbaum schrieb: „ist in summa die würckung und tugent daß Weckholterbaums zu beschreiben nit wol möglich.“ Die Heilwirkung geht von dem hauptsächlich in den Beeren enthaltenen ätherischen Öl, dem Wacholderöl aus. Das Wacholderöl wirkt in hohem Maße keimtötend, ist fettlösend und dringt bei Anwendung auf die Haut in erheblichen Mengen in den Organismus ein. Dies wirkt sich bei allen Gelenkslei-den sehr vorteilhaft aus, da auch tiefer liegende Krankheitsherde zu Abheilung gelangen.
Kommt das ätherische ÖL oder dessen Verdünnung durch Einatmung der Dämpfe mit der Lungenschleimhaut eingeschränkt. Dies stellt eine wohltuende Heilwirkung bei feuchter oder sehr feuchter Bronchitis dar. Die hohe keimtötende Kraft übt einen beachtlichen Abheilungsprozeß bei den infektiösen Lungenleiden aus, so bei feuchten Lungengangrän (Brand mit Fäulniszersetzungen des Lungengewebes) sowie bei schwer tuberkulösen Lungenprozessen. Hier wird eine Ausbreitung der infektiösen Teile abgeschirmt bzw. weit-gehend eingeengt, so daß neben der Förderung des eitrigen Auswurfes eine Stärkung und Gesundung der angegriffenen Lungenorgane eintreten wird. Der Wacholdersirup wirkt bei Lungentuberkulose im Kindesalter geradezu Wunder, da neben der keimtötenden Wirkung eine Appetitsteigerung erfolgt, die nicht nur eine Gewichtszunahme, sondern durch die Hebung des gesamten Stoffwechsels und Ausscheidung aller Giftstoffe eine gesteigerte Aktivität und Hebung aller Abwehrkräfte auslöst.
Ein weiteres Anwendungsgebiet ergibt sich durch den heilenden Einfluß bei allen Magen- und Darmerkrankungen, wie bei infektiösen Darmkoliken, entzündlichen Darmkatarrhen, Magenentzündung, Magenkrämpfen u.a. Die bereits erwähnte hohe keimtötende Kraft wirkt auch hier sehr rasch: Fäulnis- und Gärungsprozessen wird schnell der Nährboden entzogen, es findet eine Magen-Darmträgheit und erhöhte Tätigkeit der Darmmuskulatur fördert die Magen- und Darmsekretion und damit die Anbahnung einer normalen und gesunden Magen- und Darmfunktion.
Das Wacholderöl in den Beeren bzw. in der Verdünnung des Tees beseitigt nicht nur die Harnsäureablagerungen im Körper, es ist auch ein sehr empfehlenswertes Mittel gegen Wassersucht, Nierenwassersucht (bei Kindern!), chronischem Blasenkatarrh usw.
Daß die anregende Wirkung, besonders die erhöhte Durchblutung des Unterleibsorgane bei den Frauen eine erhöhte Beeinflussung auf die monatlichen Regeln zur Folge hat, rechtfertigt auch die Anwendung des Wacholderbeerentee auf diesem Gebiete, wobei nicht zu befürchten ist, daß selbst bei Verwendung zu großer Mengen von Wacholderbeeren eine Abortusgefahr bestünde.
Das ätherische Öl löst einen intensiven Reiz auf die Haut aus, es kommt zu Brennen und Juckreiz sowie Hautrötung. Größere Mengen verursachen eine Hautentzündung, starke Schwellungen und Blasenbildung.
Nicht zuletzt sei erwähnt, daß sich der beachtliche Einfluß des Wacholderöles (Tee- und Beerengenuß) auch sehr günstig auf die verschiedensten nervösen Störungen, auswirkt, die bei Nichtfunktionieren des Stoffwechsels mit ausgelöst werden, wie Mattigkeit, Kopfschmerzen, Hinterhauptschmerzen, allgemeine Gereiztheit, Mangel an Konzentrationsvermögen, Migräne, nervöse Herzbeschwerden u.a.
Gerade bei den auf der harnsauren Diathese beruhenden migräneartigen Kopfschmerzen wird eine Wacholderbeerenteekur Erleichterung und schließlich Heilung bringen.
Der günstige Stoffwechseleinfluß wäre auch für Zuckerkranke zu beachten. Wacholderbeerensaft, entsprechend verdünnt eingenommen oder der ungesüßte Wacholderbeerentee kann Zuckerkranken bestens empfohlen werden.
Der Wacholderbeerentee beeinflußt sehr gut die Verdauungsstörungen, die infolge ungenügender Salzsäureproduktion entstehen.
Neben dem reinen, aus den Beeren gewonnenen Wacholderöl wird auch das soge-nannte KADEÖL durch Destillation aus dem Wacholderholz gewonnen. Es wird für die äußere Behandlung von chronischen Haut-ausschlägen, Schuppenflechte (Psoriasis) usw. angewendet. Das Kadeöl ist nicht dünnflüssig und hellgelb wie das Wa-cholderöl, sondern teeartig, dunkel und dickflüssig.
Die Abkochung der Nadeln und Triebspitzen wird bei Fußbädern die Stauungen und sonstigen Zirkulationsstörungen in den Füßen beheben, sowie auch ein Vollbad aus Nadel- und Triebspitzenabkochung eine allgemeine Steigerung der Blutzirkulation und damit Steigerung des Wohlbefindens auslösen wird.
Der Wacholderbranntwein wie auch die Wacholdertinktur sind beliebte Volksheilmit-tel bei verdorbenem Magen, Bronchialkatarrh, Asthma, Nieren- und Blasenleiden, Gicht, Ischias und Rheumatismus, wobei bei den 3 letztgenannten Krankheiten auch die äußerlichen Anwendung in Form von Einreibung gerne im Brauch Ist.
Der Wacholderspiritus wird äußerlich vor allem als Einreibungsmittel bei rheumatischen Erkrankungen angewendet.
WACHOLDERBEERENTEE: Man nehme 1 Teelöffel voll zerquetschte Beeren für 1 Tasse im Aufguß, läßt 5 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen, seiht ab und trinkt die Tagesgabe von 1 bis 2 Tassen schluckweise. Zur Behebung von Magen- und Darmerkrankungen sowie bei Zuckerkrankheit trinke man den Tee ungesüßt. Bei Erkrankung der Atmungsorgane, zur Steigerung der Widerstandskraft und zur Hebung des Stoffwechsels kann man den Wcholderbeerentee süßen und zwar am besten durch Einrühren von 1 Teelöffel Honig in den trinkwarmen Tee. Ansonst nehme man Rohrzucker zum Süßen.
EMPFEHLENSWERTE TEEMISCHUNGEN:
Zur Entschlackung und Hebung des Stoffwechsels werden nachstehende Kräuterteemischungen empfohlen: Wacholderbeeren, Schafgarbe und Brennnessel zu gleichen Teilen vermischt, oder
Wacholderbeeren, Birkenblätter und Kamillen zu gleichen Teilen vermischt.
Bei Dormkolik, Darmerkrankungen entzündlicher Art, Magenentzündung und Magenkoliken bereite man eine Teemischung zu gleichen Teilen von Wacholderbeeren, Wermut und Kamillen.
Zuckerkranken wird nachstehende Teemischung zu gleichen Teilen von Wacholderbeeren, Bohnenschalen, Heidelbeerblätter und Brennnesseln zu gleichen Teilen.
Bei grippösen Erkältungen mische man Wacholderbeeren mit Huflattich, Spitzwegerich, Holunderblüten und Weidenrinden zu gleichen Teilen.
Bei Appetitlosigkeit mische man zu gleichen Teilen Wacholderbeeren, Melissenblätter, Tausendgüldenkraut und Brennnesselblätter. Die Bereitung der Teemischungen erfolgt nach den allgemeinen Teeregeln. Die Kräutermischungen zur Entschlackung, Hebung des Stoffwechsels bei grippösen Erkältungen und zur Behebung der Appetitlosigkeit werden mit Honig gesüßt, alle anderen Teemischungen müssen ungesüßt getrunken werden.
WACHOLDERBEERENSIRUP: 500g Wacholderbeeren werden mit 3l Wasser weich ge-kocht, zerdrückt und nochmals (gegebenenfalls noch Zusatz mit Wasser) gut aufgekocht. Die Masse wird dann durch ein Sieb passiert und wenn ausgekühlt, wird so viel Honig eingerührt, bis eine sirupartige Masse entsteht. Diese fülle man am besten in ein Weck- oder Rexglas und verschließe mit Glasdeckel und Spange. Kindern gebe man 3mal täglich 1 Stunde vor den Hauptmahlzeiten je 1 Teelöffel von diesem Sirup, wodurch Appetitlosigkeit, Lungenschwäche, ja sogar Lungentuberkulose, behoben werden. Erwachsene nehmen je 2 Teelöffel.
WACHOLDERBEERKUR NACH KNEIPP: „Wer an schlechtem Magen leidet, gebrauche von Zeit zu Zeit eine Wacholderbeerkur, welche darin besteht, daß man am 1. Tag mit 5 Beeren anfängt und so alle Tage 1 Beere mehr einnimmt (gut zerkaut!), bis man bis 15 Beeren angelangt ist, dann geht man wieder abwärts, täglich um 1 Beere weniger, bis man auf 5 Beeren anlangt.“
Diese Kneippkur ist jedoch nicht für jedermann geeignet und nierenempfindliche Personen müssten die Kurz ärztlich überwachen lassen.
ALLGEMEINE VERHALTUNGSMASSNAHMEN: Bei den vielfältigen Heilwirkungen der Wacholderbeeren ist immer zu beachten, daß größere Mengen oder längere Anwendunge Nierenreizungen und Nierenentzündungen auslösen können und damit Eiweiß- und Blutausscheidungen im Harn die Folge sind. Bei akuten oder chronischen Nierenleiden dürfen Wacholderbeerenkuren nicht angewendet oder Wacholderbeerentee nicht eingenommen werden. Ausgenommen sind die homöopathischen Präparate, die durch ihre homöopathische Verdünnung das Leiden weitgehend beheben.
Anwendung in der Homöopathie
Aus den frischen reifen Beeren stellt die Homöopathie eine Essenz in verschiedenen Verdünnungen her, die bei Behandlung von Blasenkatarrh, Nierenentzündung, Wassersucht, Gelbsucht u.a. beste Erfolge zeitigt.
Anwendungen in der Volksheilkunde
In den Alpen, in der Lüneburger Heide, überall wo der Wacholderbaum vorkommt, erfreut er sich im Volke des höchsten Ansehens. Seit altersher galten die Wacholderbeeren als ein Vorbeugungsmittel bei Pestilenz, Cholera und anderen Seuchen. Zwar sind Pest und Cholera in Europa verschwunden, geblieben ist aber bis in unsere Tage die volksmedizinische Anschauung, daß das Kauen von Wacholderbeeren das beste Mittel gegen jede Ansteckung sei.
Bei Darmkolik trinke man einen Mischtee von gleichen Teilen Wacholderbeeren, Wermutkraut, Kamillenblüten und Schafgarbe 1 Teelöffel der Mischung für 1 Tasse im Aufguß, ungesüßt.
In Kornschnaps angesetzt, sind die Beeren ein beliebtes Hausmittel bei Durchfall, Darmkolik, Wassersucht und bei den ersten Anzeichen grippöser Erkältung. Der Rauch von Wacholderbeeren und Zweigspitzen, mittels eines Trichters in den Mund gesogen, vertreibt das Zahnweh.
Zerstoßene Beeren auf die Stirne gestrichen, lindern Kopfschmerzen.
Die Wurzelabkochung vom Wacholderbaum oder -strauch gilt als besonders wassertreibend.
Die noch grünen Beeren zerstoßen und mit ungesalzener Butter zu einer Salbe vermengt, vertreiben Krätze, Flechten und Hautausschläge, zeitigen Geschwülste und Geschwüre.
Einige Tropfen Wacholderöl in ein Glas lauwarmes Wasser gegeben und damit den Mund gespült, beseitigt den schlechten Mundgeruch.
Bei Leberleiden, Magengeschwüren und bei Gelbsucht zerkaue man täglich 3 bis 5 Beeren am Morgen nüchtern und frühstücke erst einige Stunden später.
Das Holz vom Wacholderbaum, zu kleinsten Stückchen zerkleinert und 1mal aufgekocht (1TL gehäuft voll für 1 Tasse), gilt als ein vorzüglicher Blutreinigungstee.
Das Kauen von Wacholderbeeren vertreibt das Sodbrennen.
Die Wacholderasche aus dem Holz, 150g in 1 Liter gutem Weißwein aufgelöst, wird 8 Tage stehengelassen, täglich oftmals geschüttelt und schließlich durch ein Leinentüchlein filtriert. Dieser filtrierte Wein ist ein vorzügliches Harnmittel und wirkt bei Wassersucht sehr wassertreibend. Der Urin erhält (auch beim Tee- oder Beerengenuß) einen veilchenartigen Geruch.
Wacholderbeeren mit viel Zucker dick einkochen, ergeben ein sehr wohlschmec-kendes Kopmott. Es ist appetitanregend, magenstärkend, verdauungsfördernd und ist in den Wintermonaten einige gute Vitaminzufuhr.
Anwendungen in der Tierheilkunde
Die Abkochung von jungen Wacholdertreiben wird den Pferden gegen Kropf eingegeben und als Umschlag verwendet.
Der Beerenabsud wird dem Hausvieh als harnförderndes Mittel oder bei Koliken eingegeben.
Pferden gibt man bei Koliken ein Stück Brot, das vorerst in Wacholderschnaps getränkt wurde, ein.
Die harnfördernde Kraft ist bei Hunden besonders groß. Versuche ergaben die 7fache Normaltagesmenge.
Wacholderöl mit Schweinefett vermengt, gibt eine Salbe gegen Flechten, Ekzeme, Geschwüre und Geschwülste aller Art.
Zerdrückte Wacholderbeeren ins Futter vermengt, beheben die Freßunlust der Haustiere.
Die Viehseuchen in der Umgebung werden die Stallungen vorbeugend mehrmals als Tage mit brennenden Wacholderzweigen und -beeren ausgeräuchert.
Neben Enzian, Kalmus und Tausendgüldenkraut sind auch Wacholderbeerenauszüge und weitere 51 Kräuterauszüge im Magenbitter „Amarin“ sinnvoll eingebaut.
Zierpflanze
In Gärten und in Park- sowie Friedhofsanlagen werden heute viele Zuchtformen des Wacholder angepflanzt. In Asien sind Wacholder-Arten schon seit Jahrhunderten beliebte Zierpflanzen. Die Ausbreitung der Wacholder-Arten als pflegeleichte und immergrüne Pflanzen in Ziergärten hat zur zunehmenden Ausbreitung des Birnengitterrosts geführt. Diese Pilzkrankheit ist auf Wacholder als Wirtspflanze angewiesen, wobei der einheimische Gemeine Wacholder wohl weniger anfällig ist. Dadurch ist der Bestand an Birnbäumen stark zurückgegangen.
Wacholder in der Küche
Wacholderbeeren sind ein beliebtes Gewürz in der Küche. Sie verbessern nicht nur den Geschmack der Mahlzeiten, sondern helfen auch bei der Verdauung. Besonders gerne werden Wacholderbeeren zum Würzen von Sauerkraut, Fleisch- und Fischgerichten verwendet, allesamt schwer verdauliche Speisen.
Getränke
Die Beeren sind ein wichtiger Rohstoff bei der Alkoholherstellung. Es entsteht Wacholderschnaps beziehungsweise Gin. Auch Spirituosen wie Krambambuli, Steinhäger und Genever gibt die Wacholderbeere die spezielle Geschmacksnote. Ferner werden Wacholderbeeren auch als Aromastoff für Limonaden, wie zum Beispiel Root Beer oder in Schweden Enbärsdricka eingesetzt. Junge Triebe des Wacholders werden in Skandinavien bei der Bierherstellung eingesetzt.
Brotaufstrich
In einigen Regionen der Schweiz wird aus Wacholderbeeren ein Konzentrat (Saft) hergestellt, das dann zusammen mit Glukosesirup, Rohzucker, Wasser und Karamellzucker zu dem Brotaufstrich Latwerge verarbeitet wird. Das Rezept für diesen Brotaufstrich wird seit langem mündlich überliefert. Seit ein paar Jahren wird Latwerge bei Großverteilern und in Reformhäusern angeboten. Die Zapfen des Syrischen Wacholders werden von anatolischen Bergbauern gesammelt und als vitamin- und zuckerreiches Mus namens Andiz Pekmezi genutzt.
Küchennutzung
Im getrockneten Zustand wird die Wacholderbeere (Kronwittbirl), auch Krammatbeere und gebietsweise Gewürzbeere genannt, gerne bei der Zubereitung von Sauerkraut, wie auch bei vielerlei Fleischzubereitungen (Sauerbraten, Wildbraten) verwendet. Gleichfalls ist sie wichtig bei der Herstellung von geräuchertem Fleisch oder Fisch. Die Beeren werden in zerstoßenem Zustand den Pökelmischungen beigegeben, sowohl in die Salzmischungen als auch in wässrige Pökellake. Der Geschmack der Wacholder-Beere fördert die geschmackliche Entwicklung beim Räuchern von Fleisch oder Fisch. In alten Rezepten findet man Angaben wie diese: 8–12 Wacholderbeeren je Kilogramm Speck oder Schinken. Auch das Holz des Wacholder-Strauches wird in Form von Spänen zu den üblichen Räuchermehlen gegeben, um eine Aromatisierung über den Rauch zu erreichen. In alten Rezepten findet man häufig, man solle Kranewitt-Zweige (Wacholderzweige) zur Räucherglut beigeben, um den Geschmack zu verbessern. Eine zu hohe Dosierung von Beeren oder Holz führt allerdings zu einer seifigen Geschmacksnote.
Weitere Nutzung
Wacholder-Holz, -Zweige und -Beeren werden gerne zum Verräuchern verwendet. Wacholder-Rauch gilt als reinigend und desinfizierend und wurde schon im Mittelalter verwendet. Er riecht sehr holzig und gleichzeitig frisch; die Rauchentwicklung ist mäßig bis stark. Wacholder wird im Bogensport als sogenanntes Bogenholz verwendet, wobei das Holz dann für mindestens 2 Jahre abgelagert wird. Danach wird der vorbereitete Stamm geviertelt und danach weiterverarbeitet. Die weitere Verwendung ist meistens als sogenanntes Laminat zur Zierde von Bögen und Wurfarmen.
Giftwirkung des Wacholder
Beeren und Nadeln des Wacholder enthalten leicht giftige ätherische Öle, die bei Hautkontakt und Verzehr zu Reizerscheinungen führen können. Im Gegensatz zu den anderen Wacholdergewächsen ist beim Juniperus communis nur die Beere giftig. Reif ist sie im zweiten Jahr. Die Hauptwirkstoffe sind 0,2–2,9 % ätherische Öle aus alpha-Pinen, Terpineol, Sabinen, Myrcen, Flavonoiden und anderen. Eine Überdosierung führt zu Nierenschmerzen, Nierenversagen, Hautreizungen und Leberschädigung. Ferner wird die Herztätigkeit und Atmung gesteigert; seltener können Krämpfe auftreten. Äußerlich kommt es zur Rötung der Haut bis zur Blasenbildung. Die maximale Dosierung liegt bei 2 g.
 
Geschichte
An den Weihnachtstagen wurden Zweige über die Stalltüren geheftet, um Druden und Hexen fernzuhalten. Der auch heilkundlich verwendete Gemeine Wacholder war der Baum des Jahres 2002.
 
Pflanzenbeschreibung
Der Wacholder stammt aus den Alpen und Mittel- bis Nordeuropa. Wacholdersträucher, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammen sollen, gehören zu anderen Pflanzenarten, die den Zypressen noch näherstehen als die mitteleuropäische Art. Der Wacholder ist anspruchslos, was den Boden angeht und wächst bis in die Höhen der Gebirge. In der Lüneburger Heide kommt er in großen Massen vor. Früher stand der Wacholder in jedem Garten, quasi als lebende Hausapotheke. Je nach Standort wird der Wacholder nur einen halben Meter oder auch bis zu 7 Meter hoch. Der Wacholder steht säulenartig in der Landschaft. Seine Blätter haben Nadelform, bei den südlichen Arten sind sie schuppenartig. Die Blüten sind zweihäusig und wachsen auf verschiedenen Pflanzen. Die männlichen Blüten bestehen aus Staubgefäßen, die in Quirlen zusammenstehen. Die weiblichen Blüten haben drei Samenknospen, die nebeneinander stehen. Aus den weiblichen Blüten bildet sich innerhalb eines Jahres eine grüne Beere. Erst nach zwei Jahren wird die Beere schwarzbraun und reif. Manchmal dauert es sogar drei Jahre, bis die Beeren reif sind. Eigentlich handelt es sich gar nicht um Beeren, sondern um besonders geartete Zapfen. Man könnte sie wohl korrekter als Beerenzapfen bezeichnen, aber normalerweise wird einfach Beere dazu gesagt, auch wenn dies botanisch gesehen falsch ist.
Der Gemeine Wacholder wächst als aufrechter bis kriechender Strauch oder kleiner Baum, der Höhen bis zu 12 Meter, maximal bis zu 18,5 Meter und Stammdurchmesser von 0,9 Meter erreicht und ein tiefreichendes Wurzelsystem ausbildet. Er kann bis zu 600 Jahre alt werden. Der Stamm besitzt eine grau- bis rotbraune Borke. Der Wacholder bildet in der Regel eine schmale kegelförmig bis ovale Krone. Die nadelförmigen Blätter sitzen am Zweig mit einem Gelenk an. Die zu dritt in Quirlen angeordneten Nadeln sind stechend spitz und 1 bis 2 Zentimeter lang. Ihre Oberseite weisen helle Stomatastreifen und Wachsstreifen auf.
Der Gemeine Wacholder ist zweihäusig getrenntgeschlechtig, selten einhäusig. Männliche Exemplare kann man zur Blütezeit von April bis Juni gut an den gelblichen Blüten erkennen. Die Zapfen besitzen einen Stiel und werden im Herbst angelegt. Weibliche Blütenzapfen bestehen aus drei Zapfenschuppen. Jede Samenschuppe trägt nur eine Samenanlage. Die Samenanlagen sind nur von oben zugänglich. Die Samenschuppen verwachsen später mit den Deckschuppen und werden fleischig. Die Entwicklung zum reifen beerenförmigen Zapfen dauert 3 Jahre. Im ersten Jahr nach der Bestäubung ist der Zapfen noch grün, im dritten Jahr wird er schließlich schwarzbraun, bläulich bereift (Wachsschicht). Die holzigen Samen sind 4 bis 5 mm groß mit knochenharter Schale.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Nadelgehölzen bildet er nur zwei Keimblätter (Kotyledonen) aus.
Botanik
Bezüglich des Wuchses, der Gestalt und der Größe sowie der Nadelform ist diese Pflanze sehr veränderungsfähig. Sie kommt je nach Standort als Zwergstrauch bis kaum ½ m Höhe, als Strauch oder Busch bis zu 4m und als Baum bis zu 7m Höhe vor. Die Blätter sind nadelförmig, anfangs hellgrün, später nachdunkelnd, auf der Oberseite eine bläulich-weiße Mittellinie aufweisend. Sie werden 8 bis 10mm lang, nach oben zugespitzt und stechend. Sie stehen in dreizähligen Quirlen. Die Blüten sind zweihäusig. Die männlichen Blüten sind aus zahlreichen Staubgefäßen zusammengesetzt und stehen in Quirlen, die weiblichen Blüten bestehen aus 3 nebeneinander stehenden, aufrechten Samenknospen, die von unten her durch 3 Tragschuppen und Deckschuppen gestützt sind. Der obere Teil dieses kleinen Zapfens wird fleischig und verwandelt sich in eine kugelige Beere, die im 1. Jahr grün und eiförmig, im 2. Jahr dunkelschwarz-braun, kugelig und blau bereift wird. Auch ein dreijähriger Entwicklungsgang von der Blüte bis zur Fruchtreife ist möglich.
Geruch und Geschmack
Von allen Teilen dieser Pflanze geht ein eigentümlicher fein-aromatischer Geruch aus. Das Holz ist wohlriechend. Holz und Nadeln entwickeln sich beim Verbrennen einen balsamischen Duft. Die Beeren haben einen harzigen und gewürzhaften Ge-ruch und schmecken bitterlich süß, würzig und harzig zugleich. Der Geschmack der Nadeln ist harzig, etwas bitterlich, jedoch gewürzhaft.
Blütezeit
April – Mai
Beerenreife
Im Herbst (Oktober) des zweiten Jahres.
Standort
Der Wacholder bevorzugt keinen besonderen Boden und kommt sowohl in Gebirgslagen als auch in der Heide vor. Berühmt ist sein Massenvorkommen in der Lüneburger Heide.
Vor etwa 50 Jahren stand in unserer Gegenden fast vor jedem Bauernhause noch ein Wacholderbaum, zumindest bildete den Abschluß des Bauerngartens ein Wacholderstrauch. Er gilt als eine Art Hausapotheke des Bauernhofes. Der Wacholder wurde unnütz, da man am Bauernhofe anfing, alles mit chemischen Tabletten und Pulvern zu kurieren.
Der Wacholder hatte seinen ursprünglichen Lebensraum nicht in den Ländern der klassischen Antike (Mittelmeer, Vorderasien), sondern in den Gebieten der Alpen und nördlich der Alpen bis Nordeuropa. Es wird zwar in der Bibelübersetzung von Martin Luther im Alten Testament gesagt, daß der Prophet Elias bei seiner Wüstenwanderung im Schatten eines Wacholders ruhte, doch handelte es sich, wie Botaniker und Sprachforscher fest-stellten, um eine geisterartige Pflanze. Der Wacholder der antiken Ärzte stammte aus einer der südeuropäischen Wacholderarten, war aber nicht unser Wacholder Mittel- und Nordeuropas. Die ältesten Funde in den Schweizer Pfahlbauten, wo man nicht nur Töpfe mit und Wacholderbeeren fand, sondern auch angekohlte Beeren, Zweigspitzen, Nadeln und Holzteilchen, zeigen deutlich, daß der Wacholder schon in der Urtagen der eruopäischen Menschheitsgeschichte eine sehr geschätzte Heilpflanze war.
Über die Rolle des Wacholder in Mythos, Legende, Sage, Zauberei und Dämonenglauben könnte man eine eigene Schrift verfassen. Tief verwurzelt ist glaube und Wissen um die Heilkraft dieser Pflanze, ähnlich wie beim Holunder, der ja auch heute noch beim Volke höchstes Ansehen genießt. Unvergessen ist einem Gespräch über Heilpflanzen dieses mit den Worten schloß: „Vor etla Heilkräutern muaß ma den Huat abnehma, aber vor ana Kranewitten und ana Hollastaudn muaß ma si no dazua bucka.“
(Vor einigen Heilkräutern muß man den Hut abnehmen, aber vor einem Wacholder oder einem Holunderstrauch muß man sich noch dazu bücken = verbeugen.)
Wacholderarten sind immergrüne Sträucher oder Bäume. Als größtes Einzelexemplar gilt ein Syrischer Wacholder in der Türkei, mit einer Wuchshöhe von 40 Metern. Das Holz besitzt einen schmalen Splint und einen rötlich-braunen Kern und duftet oft aromatisch. Die Zweige sind rund oder vier- bis sechsflügelig. Die Blätter sind im Allgemeinen kurz und liegen eng an den Zweigen an. Sie sind in der Jugend nadelförmig, später schuppen- oder nadelförmig. Die Blätter sind in gegenständigen Paaren in vier Reihen oder in wechselständigen Quirlen in drei bis sechs Reihen oder selten in Quirlen mit vier bis acht Reihen an den Zweigen angeordnet. Die Sämlinge besitzen zwei bis acht Keimblätter.
Die zu den Nacktsamigen Pflanzen gehörenden Arten sind meist zweihäusig, selten einhäusig getrenntgeschlechtig. Die männlichen Zapfen besitzen drei bis vier Paare oder Trios Sporophylle. Jedes Sporophyll besitzt zwei bis acht Pollensäcke. Die beerenförmigen, ei- bis kugelförmigen weiblichen Zapfen, oft als Beeren bezeichnet, sind 0,3 bis 2 Zentimeter groß. Sie benötigen bis zur Reife ein bis zwei Jahre, bleiben geschlossen und werden bläulich. Die meist dicken, fleischigen Zapfenschuppen sind aus Deck- und Samenschuppen verwachsen und besitzen ein bis drei Samen. Die ungeflügelten, hartschaligen Samen sind rund bis kantig. Die beerenförmigen Zapfen werden von Vögeln als ganzes geschluckt und die Samen verlassen den Darmtrakt unversehrt. Der bittere Geschmack der Zapfen (bei den meisten Arten) ist wohl eine Anpassung gegen Fraß durch Säugetiere.

ZITRONE
Die Zitrone ist die saure Frucht schlechthin. Sie wird immer dann genutzt, wenn ein Getränk oder eine Speise saure Frische braucht. Diese Säure belebt, regt den Appetit an und bringt die Verdauung in Schwung. Durch ihren Vitamin-C Gehalt hilft die Zitrone auch gegen Frühjahrsmüdigkeit und Abwehrschwäche. Das erklärt auch die kräftige Wirkung einer heißen Zitrone, wenn man eine Erkältung verhindern oder lindern will. Doch nicht nur der Zitronensaft kommt im Alltag und in der Heilkunde zum Einsatz. Die würzige Schale der Zitrone ergibt einen schmackhaften Tee und das ätherische Öl wird überall dort eingesetzt, wo es auf ein frisches Aroma ankommt. Die Zitrone oder Limone ist die etwa faustgroße Frucht des Zitronenbaums aus der Gattung der Zitruspflanzen. Es handelt sich um eine Gruppe von Sorten, die aus einer Kreuzung zwischen Bitterorange und Zitronatzitrone entstanden ist, wahrscheinlich im Norden Indiens. Um das Jahr 1000 sind erste sichere Nachweise sowohl in China als auch im Mittelmeerraum zu finden. Die immergrünen Bäume bringen länglich-ovale Früchte (die Zitronen) mit gelber oder grün-gelber Schale hervor. Das saftige, saure Fruchtfleisch enthält rund 3,5–8% Zitronensäure und viel Vitamin C. Aus Zitronen werden Saft, Zitronensäure, ätherisches Öl und Pektin gewonnen.
 
Steckbrief
Haupt-Anwendungen: Vitamin C Mangel
Heilwirkung: adstringierend, antibakteriell, belebend, beruhigend, blutbildend, blutreinigend, blutzuckersenkend, cholesterinsenkend, entzündungshemmend, harntreibend, hautreizend, krampflösend, schleimlösend, schweißtreibend, stärkend
Anwendungsbereiche: Abwehrschwäche, Akne, Angina, Appetitlosigkeit, Arteriosklerose, Arthritis, Asthma, Blähungen, Blasenschwäche, Blutarmut, Bluthochdruck, Cellulite, Depressionen, Diabetes, Durchfall, Erbrechen, Erhöhte Blutfettwerte, Erhöhte Harnsäurewerte, Erkältung, Fieber, Frostbeulen, Frühjahrskur, Frühjahrsmüdigkeit, Gallensteine, Gelenkentzündung, Gicht, Grippe, Grüner Star, Haarausfall, Halsentzündung, Herzschwäche, Husten, Kopfschuppen, Krampfadern, Mandelentzündung, Migräne, Mundschleimhautentzündung, Nervenschmerzen, Nervöse Herzbeschwerden, Neuralgien, Nierensteine, Nierenbeckenentzündung, Reisekrankheit, Rachenentzündung, Rheuma, Schlaflosigkeit, Schluckauf, Sodbrennen, Übelkeit, Venenschwäche, Verdauungsschwäche, Verstopfung, Wunden
wissenschaftlicher Name: Citrus limon
Pflanzenfamilie: Rautengewächse = Rutaceae
englischer Name: Lemon
Verwendete Pflanzenteile: Fruchtschale, Frucht
Inhaltsstoffe: Vitamin C, Zitronensäure, Ätherische Öle, Limonen, Citral, Flavonoide, Rutin, Pektion, Phosphor, Beta-Sitosterol, Stigmasterol
Sammelzeit: Frühjahr
 
Anwendung
Zitronen werden vor allem als Nahrung, aber auch als Zierpflanze verwendet. Vereinzelt und vermutlich erfolglos wurde Zitronensaft als Verhütungsmittel verwendet. Neben dem Saft wird die abgeriebene Schale der Zitrone gerne als aromatisierende Zutat in der Küche und beim Backen verwendet, siehe Zitronengelb. Zum Verzehr geeignet ist nur die Schale einer unbehandelten Zitrone; Zitrusfrüchte werden vor dem Transport meist mit einer wachsartigen Schutzschicht überzogen und mit Konservierungsmitteln wie 2-Phenylphenol (E231) oder Thiabendazol (E233) besprüht. Früher kam auch Biphenyl (E230) zum Einsatz. Der Verzehr solcher Schalen gilt als ungesund. Unbehandelte Zitronenschalen werden zu Zitronenöl weiterverarbeitet. Die manchmal als Zitronenblätte“ bezeichneten Blätter der Kaffernlimette werden vor allem in der thailändischen Küche gebraucht.
Die Zitrone wird vor allem als Frucht und als Zitronensaft angewendet. Man kann jedoch auch die würzige Schale und das ätherische Öl verwendet. Sehr köstlich ist auch Zitronenblütenhonig, der das zarte, blumige Aroma der Zitronenblüten als Brotaufstrich verfügbar macht.
Zitrone als Frucht
Als Frucht hat die Zitrone eine ausgeprägte Heilwirkung. Diese Wirkung hat die Zitrone in erster Linie aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehaltes. Durch das Vitamin C kann die Zitrone das Immunsystem stärken und Infektionskrankheiten verhindern oder lindern. Die Zitronensäure im Zitronensaft wirkt nicht nur belebend, sondern hat erstaunlicherweise eine lindernde Wirkung auf Sodbrennen. Das liegt an der puffernden Wirkung der anderen Bestandteile im Zitronensaft. Doch nicht nur der reine Saft hat eine günstige Wirkung auf die Gesundheit. Die ganze (geschälte) Frucht enthält noch einige andere Wirkstoffe, die die Heilkraft noch stärker und vielseitiger machen als die Wirkung des reinen Saftes. Wie viele Früchte ist im Fruchtfleisch reichlich Pektin enthalten und in den Zwischenhäuten befinden sich Flavonoide. Das Pektin stärkt die Bauchspeicheldrüse. Die Flavonoide haben zahlreiche Wirkungen, u.a. beugen sie Krebs und Herzinfarkt vor. Der Zustand der Arterien wird verbessert und die Blutfettwerte werden gesenkt. Auch die Venen profitieren von den Wirkstoffen der Zitrone, sie werden gestärkt und abgedichtet, sodass Krampfadern verringert werden. Sogar der Augeninnendruck bei grünem Star soll etwas gemildert werden. Ferner sollen Zitronen auch gegen Rheuma, Gicht und andere Gelenkbeschwerden helfen. Eine besonders wirksame Maßnahme zur Verbesserung der Gesundheit ist es also, wenn man täglich eine Zitrone isst. Das schmeckt zwar sauer, aber man kann sich an den Geschmack durchaus gewöhnen und profitiert dann vom gesteigerten Wohlbefinden.
Heiße Zitrone
Ein Klassiker zur Behandlung von Erkältungen ist die heiße Zitrone. Man kann sie trinken, wenn man von der Erkältung geplagt wird. Viel besser wirkt sie jedoch, wenn man sie schon im Vorfeld trinkt, sobald man die Erkältung herannahen spürt oder wenn man sich verkühlt hat. Dann gelingt es der heißen Zitrone oftmals, den vollen Ausbruch der Erkältung zu verhindern. So bereitet man eine heiße Zitrone zu: Heißes Wasser in eine Tasse gießen. Dabei sollte noch Platz für den Zitronensaft bleiben. Eine halbe bis ganze Zitrone auspressen und zu dem heißen Wasser geben. Wer kräftige Hände hat, kann die Zitrone auch direkt über der Tasse ausdrücken. Auf Wunsch kann man die heiße Zitrone mit etwas Honig süßen. In kleinen Schlucken trinken.
Zitronenwasser trinken
Die desinfizierende und puffernde Wirkung der Zitrone kann man sich auch als Kaltgetränk zunutze machen. Dazu gibt man einige Spritzer Zitronensaft in kaltes Wasser. Schon etwa 2% Zitronensaft reichen aus, um bakterienhaltiges Wasser zu reinigen. Das ist vor allem in tropischen Ländern von Interesse, wenn man keine Gelegenheit hat, sauberes oder abgekochtes Wasser zu erhalten oder als Ergänzung zum Abkochen. Mit Zitronenwasser als Getränk kann man zudem die Verdauung anregen und die Abwehrkräfte stärken.
Zitronenschalentee
Getrocknete Stücke der unbehandelten Zitronenschale kann man als Zitronenschalentee verwenden. Er wirkt leicht verdauungsfördernd. Daher kann man ihn bei-spielsweise bei Appetitlosigkeit und Verstopfung einsetzen. Meistens werden Zitronenschalenstücke jedoch vor allem wegen ihres angenehmen Geschmackes in Teemischungen verwendet. Als Bestandteil der Mischtees kann man das frisch-würzige Aroma mit der Heilwirkung verbinden.
Zitronenschale als Gewürz
In Kuchen und Gebäck, aber auch in der exotischen Küche, wird die äußere, gelbe Schicht der Zitronenschale gerne als Gewürz verwendet. Diese gelbe Schalen-schicht ist besonders aromatisch, denn sie enthält die meisten ätherischen Öle. Meistens wird die unbehandelte Zitronenschale fein abgerieben, um das Aroma voll nutzen zu können. Hierbei ist es sehr wichtig, dass es sich um ungespritzte Zitronen handelt, denn gespritzte Zitronenschale ist schädlich für die Gesundheit. Auch sollte die Zitrone nicht mit irgendwelchen Wachsen behandelt worden sein, um sie länger frisch zu halten. Am besten verwendet man zur Nutzung der Zitronenschale Bio-Zi-tronen. Geriebene Zitrone schmeckt nicht nur aromatisch, sondern sie regt auch die Verdauungsorgane an.
Äußerliche Anwendung
Die Zitrone bietet zahlreiche Möglichkeiten der äußerlichen Anwendung.
Ätherisches Zitronenöl
Das ätherische Zitronenöl ist relativ preiswert, weil es im Vergleich zu anderen ätherischen Ölen einfach zu gewinnen ist. Weil Zitronenöl angenehm frisch wirkt, wird es in vielen Produkten des Alltags reichlich eingesetzt, beispielsweise in Duschgels und Putzmitteln. Der Einsatz in Putzmitteln hat sogar einen sinnvollen Hintergrund, denn Zitronenaroma stärkt die Freude am Putzen. Wenn man ätherisches Zitronenöl riecht, entsteht ein Drang, um sich herum alles sauber zu machen. Außerdem wirkt ätherisches Zitronenöl mild desinfizierend, was auch ein sinnvoller Effekt beim Putzen ist. Auch in Duschgels und Deos macht man sich die antibakterielle und erfrischende Wirkung des Zitronenöls zunutze.
Massageöl
In Massageölen wirkt ätherisches Zitronenöl belebend und durchblutungsfördernd. Daher kann eine solche Massage gegen Muskelkater und Verspannungen helfen. Für ein Massageöl gibt man etwa 5-20 Tropfen ätherisches Zitronenöl auf 100ml gutes, fettes Öl, z.B. Mandelöl oder Jojobaöl. Die Menge des Zitronenöls hängt vom persönlichen Geschmack ab und wie man das Massageöl verwenden will.
Einreibungen mit Zitronensaft
Zitronensaft hat eine günstige Wirkung auf die Haut und das darunterliegende Gewebe. Diese Wirkung kann man einerseits durch die antibakerielle und entzündungshemmende Wirkung des Zitronensaftes erklären. Außerdem hilft die Zitronensäure beim Erhalt des Säureschutzmantels der Haut. Die Haut wird durch verdünnten Zitronensaft gereinigt und geschmeidig. Daher eignet sich Zitronensaft sowohl zur Behandlung von jugendlicher Aknehaut als auch zur Straffung alternder Faltenhaut. Man kann verdünnten Zitronensaft anstelle eines Gesichtswassers einsetzen. Auch zur Handpflege ist die Zitrone gut geeignet. Dazu kann man ein Stück Zitrone ans Waschbecken legen und sich nach dem Händewaschen die Hände damit einreiben. Die Haut der Hände wird durch den Zitronensaft erstaunlich sanft und glatt. Da Zitronensaft ansonsten jedoch leicht hautreizend wirkt, sollte man ihn zu anderen Zwecken besser verdünnt anwenden. So verdünnt kann Zitronensaft unter anderem auch Sonnenbrand lindern.
Zitronensaft-Bäder
Als Bad angewendet kann Zitronensaft bei Krampfadern, Cellulite und Besenreiser helfen. Auf ein Vollbad gibt man etwa fünf ausgepresste Zitronen. Alternativ zum Vollbad kann man die Beine auch mit Zitronenwasser einreiben oder eine Zitronenwasser-Kompresse auf die betroffenen Stellen legen.
Duftlampe
In der Duftlampe verströmt das ätherische Zitronenöl sein klärendes Aroma. Daher eignet es sich gut, um neue Frische in Räume zu bringen. Auf den Menschen wirkt der Duft der Zitrone einerseits belebend, andererseits aber auch beruhigend aufgrund der entkrampfenden Wirkung. So kann Zitronenaroma sowohl beim Munterwerden als auch beim Entspannen und Einschlafen helfen, auch wenn das paradox klingt.
 
Geschichte
Wo die Zitrone zuerst entstand, ist nicht vollständig geklärt. Man vermutet jedoch, dass sie vor über tausend Jahren in Nordindien entstand. Die Zitrone ist eine Kreuzung aus mehreren anderen Zitrusfrüchten, vermutlich aus der dickschaligen Zitronatzitrone und der Bitterorange. Gegen 1000 n.Chr. wird die Zitrone erstmals eindeutig erwähnt. Man kannte sie damals im Mittelmeerraum als auch in China. Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Zitrone in Spanien und Süditalien angebaut. Der saure Zitronensaft spielte schon in der Küche des Mittelalters eine gewisse Rolle. Im 16. Jahrhundert wurde der Anbau von Zitruspflanzen aller Art auch in Deutschland sehr beliebt. In vielen Städten entstanden sogenannte Orangerien, das sind Gärten, in denen Zitruspflanzen kultiviert wurden. Im Winter wurden die empfindlichen Pflanzen in extra dafür gebaute Häuser gebracht. Heutzutage stellen die Orangerien häufig Räumlichkeiten für kulturelle Ereignisse dar. Inzwischen wird die Zitrone in vielen warmen Gegenden der Welt angebaut und stellt aufgrund ihrer fruchtigen Säure eine wichtige Frucht im Welthandel dar.
 
Pflanzenbeschreibung
Die Zitrone wächst als kleiner bis mittelgroßer, immergrüner Baum. Im Vergleich zu anderen Zitruspflanzen sind sie raschwüchsig und groß. Vor allem junge Triebe sind mit kleinen, dünnen Dornen besetzt. Der Austrieb ist rötlich, auch die Knospen sind rosa, die ansonsten weißen Blütenblätter auf der Unterseite rosa bis violett. Die Laubblätter sind länglich-oval bis breit lanzettlich, zugespitzt, am Rand leicht gesägt oder gekerbt. Der Blattstiel ist etwas verbreitert, die Blattspreite ist deutlich vom Blattstiel abgesetzt (unifoliates Blatt). Die bisweilen faulig duftenden Blüten erscheinen verteilt über das ganze Jahr in wenigblütigen Blütenständen. Sie haben einen Durchmesser von etwa 20 bis 30 Millimetern und bestehen aus fünf verwachsenen Kelchblättern sowie fünf freien Blütenblättern. Der Fruchtknoten ist dick zylinderförmig und geht in den Griffel über. Die 20 bis 40 Staubblätter sind mit den Staubfäden zu mehreren Gruppen verwachsen. Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch Insekten, aber auch Windbestäubung und Selbstbefruchtung durch direkten Kontakt der Staubblätter mit der Narbe sind bei Citrus häufig anzutreffen. Durch Parthenokarpie, also Frucht ohne Befruchtung, kommt es zu samenlosen Früchten, aber auch, weil Citrus zum Teil pollensteril ist oder die Narbe nicht fruchtbar ist. Häufig treten Blüten auf, bei denen das Gynoeceum verkümmert ist, die also funktional männlich sind. Die Frucht besteht aus acht bis zehn Segmenten, die mit hellgelben Saftschläuchen gefüllt sind. Jedes Segment ist von einem dünnen Häutchen umgeben, die ganze Frucht von einer zweigeteilten Schale. Die innere Schicht der Schale ist weiß, die äußere bei der Reife grün, in subtropischen Gebieten im Winter auch gelb. Zitronen, die in Europa auf den Markt kommen wurden meist behandelt, so dass die Schalen immer gelb sind. In der Schale sitzen zahlreiche Öldrüsen, sie verströmt einen aromatischen Duft. Auch den Blättern ist der typische Zitronengeruch eigen. An der Spitze der Frucht befindet sich meist eine kleine Ausstülpung. Die Samen sind relativ klein, glatt und zugespitzt. Im Innern sind sie weiß. Etwa 10 bis 15 % der Samen sind polyembryonisch. Die Zitrone ist vermutlich ursprünglich in Nordindien heimisch, man findet sie heutzutage jedoch in vielen warmen Gegenden der Welt. Der kleine Baum wird bis zu 5 Meter hoch, in seltenen Fällen sogar bis zu zehn Meter. An seinen Zweigen trägt der Zitronenbaum einige Stacheln. Die immergrünen Blätter sind ledrig und glänzen. Sie sind eiförmig und haben Spitzen. Das ganze Jahr über entstehen die anmutigen, weißen Blüten, die zart duften. Aus den Blüten entwickeln sich innerhalb eines Jahres die bekannten gelben Früchte. Bevor die Früchte reif und gelb sind, sind sie zunächst über einen längeren Zeitraum hinweg grünfarbig. Die ovalen Früchte haben eine relativ dicke Schale, die innen weißlich ist. Die Schalen riechen stark aromatisch. Im Innern bestehen die Zitronen aus den für Zitrusfrüchten typischen Fruchtspalten, bei denen das Fruchtfleisch von einer weiteren Haut umgeben ist.
 
Anbau
Die Zitrone mag zwar keinen Frost, hält aber kurzzeitige Frostperioden bis -5°C aus. Daher findet man die Zitrone inzwischen auch häufig als Kübelpflanze in mitteleuropäischen Gärten, wo sie im Wintergarten oder Treppenhaus überwintert. Man kann Zitronenbäumchen aus Zitronenkernen anziehen, dann dauert es aber einige Jahre, bis das Bäumchen erstmals Früchte trägt, wenn überhaupt. Deutlich schneller geht es, wenn man aus einem vorhandenen Zitronenbaum Stecklinge schneidet und Wurzeln bilden lässt. Die sauber abgeschnittenen Zitronen-Stecklinge bilden bei warmer Zimmertemperatur innerhalb von vier bis sechs Wochen reichlich Wurzeln aus. Als Standort sollte man einen sonnigen, warmen Platz wählen, an dem jedoch auch ab und zu ein Lüftchen weht. Man kann die Zitronenbäume wahlweise als Kübelpflanze im Garten oder Balkon kultivieren oder sogar als reine Zimmerpflanze. Zitronen mögen einen neutralen Boden. Kalk mögen Zitronenbäume gar nicht, weder im Boden noch im Gie0wasser. Sie brauchen ausreichend Wasser, vor allem im Sommer, dürfen aber keinesfalls zu nass stehen, denn Staunässe vertragen die Bäumchen nicht. Damit die Zitronenbäume reichlich tragen, sollte man sie etwa einmal in der Woche ein wenig düngen. Die Zweige des Zitronenbaumes sollten hin und wieder zurückgeschnitten werden. Starkes Zurückschneiden bewirkt ein besonders starkes Wachstum der Pflanze, geringes Wachstum fördert eher die Bildung von Blüten und anschließenden Früchten.
 
Sammeltipps
Zitronen sind reif, wenn sie warm sonnengelb sind. Bei selbst angebauten Zitronen wartet man, bis sich die Früchte leicht vom Stiel ablösen oder gar von selbst herunterfallen. Bei eingekauften Zitronen sollte man auf eine satte Farbe achten und dass die Früchte prall wirken, also nicht etwa verschrumpelt. Wenn man die Schale nutzen will, sollte man unbedingt Biozitronen kaufen.

BACHBLÜTE MIMULUS
Schüchtern, zurückhaltend, körperlich sehr empfindlich  
Diese Menschen sind sehr schüchtern, zurückhaltend und körperlich empfindlich
Mit Mimulus können sie die Schüchternheit, die Zurückhaltung und körperlich empfindliche hinter sich lassen

BACHBLÜTE MUSTARD
Etwas schweres, schwarzes, unbekanntes senkt sich herab, die Seele trauert
Auf diese Menschen senkt sich etwas schweres, schwarzes und unbekanntes herab, ihre Seele trauert
Mit der Bachblüte können sie dem entgegenwirken

Causae et curae – Hildegards großes heilkundliches Werk
+  Hildegards Lehre ist stets ganzheitlich orientiert, indem sie den Menschen bei allem zeitlichen Verhaftetsein in der Welt vom Absoluten her sieht – in Beschreibungen von großer Eindringlichkeit, die durchaus einer wissenschaftlichen Universalität moderner Prägung standzuhalten vermögen. Sie sieht den Menschen einerseits in seiner ganz konkreten Not, andererseits aber auch als Wesen, das sich selbst geheimnisvoll bleibt.
+ Wie sich der kranke Mensch dem absoluten Anspruch stellen soll, hat Hildegard autobiografisch dargestellt und durch ihre Lehre dokumentiert. In ständiger kritischer Überprüfung ihre Existenz und in lebenslanger ganzheitlicher Weltschau hat Hildegard es verstanden, die Frage des kranken Menschen nach dem Sinn des Leids zu beantworten. Für sie war Krankheit die Kernprobe der Lebensprüfung des Menschen, der – gedrückt von Krankheit und Leid – von Gottes Hand gehalten wird und in seiner Krankheit voll Hoffnung bleibt.
Nach der Lektüre von Hildegards Schriften rief schon damals Abt Rupert von Königsthal begeistert aus: „So etwas bringen die scharfsinnigen Professoren des Frankenreiches einfach nicht zustande. Die machen mit trockenem Herzen und aufgeblasenen Backen nur ein großes Geschrei und verlieren sich in Spitzfindigkeiten. Diese gottselige Frau aber, sie betont nur das Eine, Notwendige. Sie schöpft aus ihrer inneren Fülle und gießt sie aus.“
Durch Hildegard von Bingen erreicht die Heilkultur, die in diesem Buch dargestellt ist, den Menschen mitsamt seiner Welt, der Welt im weitesten Sinn – seiner Umwelt, Mitwelt, Arbeitswelt, Erlebniswelt. Es ist deshalb kein Zufall, dass Hildegards Perspektiven und Programme zur Überwindung von Krankheit, zur Erhaltung der Gesundheit und zur Lebensgestaltung von größter Aktualität sind und auch heute zunehmend mehr Menschen ihrem Rat und ihrer Hilfe folgen.

Gefäßerkrankungen
Krampfaderleiden
Agatha bekommt ein weiteres Rezept: Sie soll wöchentlich zweimal über Nacht die Füße von oberhalb des Knöchels bis an die Knie mit einem Tuch, welches in Lehmwasser getaucht worden ist, einbinden. Die gleiche Anwendung soll sie ebenfalls zweimal in der Woche mit einem in Heublumen-Absud getauchten Tuch machen. Die Wirkung war, daß sich mehrere Geschwüre bildeten, aufbrachen, sich entleerten und dann wieder zuheilten. Der Heublumenwickel löste bis ins Tiefste hinein auf, der Lehm zog an und so wurde die verlegene Ware auf die Oberfläche der haut gebracht und ausgeleitet. Nach dem letzten Rezept musste die Krank wöchentlich zweimal und später einmal 1 ½ Stunden lang ein in warmes Heublumenwasser getauchtes Hemd anziehen.
Zu dieser Anwendung kamen noch in der Woche zwei Vollgüsse, zwei Halbbäder und ein Rückenguß. So wurde vier Wochen lang eingewirkt, nach dieser Zeit war die Zirkulation des Blutes in Ordnung und die Anstauung beseitigt. Die Krampfadern waren wohl kleiner geworden, aber noch nicht entfernt, so daß noch längere Zeit hindurch eine gelinde Einwirkung notwendig wurde, um den ganzen Körper in einen noch besseren Zustand zu bringen. Die hierzu geeigneten Anwendungen waren zwei Halbbäder und ein Vollguß in der Woche.
Für die innere Anwendung verordnete Kneipp:
Zum ersten Rezept bekam die Kranke täglich eine Tasse Tee von Zinnkraut, Attich und Wermut in zwei oder drei Portionen genossen. Diese Kräuter lösen innere Krankheitsstoffe auf und leiten sie aus. Ihre Wirkung tritt besonders durch den Urin, welcher dicke und trübe wird und alle möglichen Farbe bekommt, zutage. Das zweite Rezept lautete: Tee von Rosmarin, Tormentill und Zinnkraut. Dieser Tee wirkt besonders kräftig auf die gesamte Blutbildung ein. Dann gab ich ihr als dritten Tee Absud von Salbei und Wermut mit Angelikawurzel.

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