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Klatschmohn
Im frühen Sommer sieht man die leuchtend roten Blüten des Klatschmohns schon von weitem, so kräftig ist seine Farbe. An manchen Stellen leuchten tausende der Blüten um die Wette, woanders kommt der Klatschmohn auch einzeln oder in kleinen Gruppen vor. Wenn Kinder liebevoll Blumensträuße mit dem Klatschmohn schmücken, ist die Enttäuschung meistens groß, wenn die hübschen Blütenblätter nach kürzester Zeit abgefallen sind. In der Volksheilkunde gilt der Klatschmohn als ein kleiner Bruder des echten Mohns, aber die beruhigende Wirkung der roten Blütenblätter ist sehr mild und wird von der Schulmedizin nicht anerkannt.
Der Klatschmohn, auch Mohnblume oder Klatschrose genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Mohn innerhalb der Familie der Mohngewächse.
Der Klatschmohn ist aufgrund seiner blutroten Blüten ein unverwechselbares Wildkraut und Kulturbegleiter. Die auch als Mohnblume bezeichnete Pflanze kann sowohl als Küchenpflanze als auch als Heilkraut verwendet werden, allerdings sollten immer nur geringe Mengen verzehrt werden. Die in allen Pflanzenteilen des Klatschmohns enthaltenen Alkaloide können bei unsachgemäßer Dosierung Vergiftungserscheinungen auslösen.
 
Steckbrief
Heilwirkung: beruhigend, erweichend, schleimlösend, schmerzlindernd, tonisierend, Husten, Nervosität, Schlaflosigkeit, Menstruationsfördernd, Furunkel, Hautprobleme
wissenschaftlicher Name: Papaver rhoeas
englischer Name: Common Poppy
volkstümliche Namen: Blutblume, Feldmohn, Feuerblume, Feuer-Mohn, Flattermohn, Klatschrose, Kornrose, Schnalle, Wolder Mohn
Verwendete Pflanzenteile: Blüten
Inhaltsstoffe: Alkaloid Rhoeadin, Anthocyanglykoside, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Saponine, Schleim, roter Farbstoff
Sammelzeit: Mai bis Juni
 
Anwendung
In medizinischen Studien wurde keine echte Wirkung beim Klatschmohn festgestellt. Daher wird der Klatschmohn von der Schulmedizin nur als Schmuckdroge zur Verschönerung von Teemischungen eingesetzt. Die Volksheilkunde verwendet den Klatschmohn jedoch gern und spricht ihm beruhigende Wirkungen zu.
Innerlich als Tee
Er wird in Tees gegen Schlaflosigkeit und nervöse Unruhe eingesetzt. Auch bei Husten und Hustenreiz soll der Klatschmohn helfen. Er soll auch schmerzlindernd wirken.
Sirup
Gegen Husten und Unruhezustände von Kindern wird aus dem Klatschmohn traditionell ein Sirup hergestellt.
Äußerlich
Den Tee des Klatschmohns kann man als Umschlag oder Waschung bei Hautprobleme und Furunkel anwenden.
Speisepflanze
Roh verwenden kann man erstens die jungen Blätter vor der Blüte, zum Beispiel in Salaten. Sie schmecken etwa wie Gurken mit Haselnussgeschmack. Die roten Blütenblätter eignen sich als essbare Dekoration. Man kann auch die jungen, noch grünen Früchte essen. Die Blätter können wie Spinat gekocht werden, zum Beispiel mit gebratenen Schalotten und etwas Rahm.
Heilpflanze
Als Drogen dienen die getrockneten Blütenblätter. Die roten Klatschmohnblütenblätter sind heute allein als Schmuckdroge ohne Anspruch auf Wirksamkeit in Teemischungen verschiedener Indikationen enthalten. Früher nutzte man sie in Form eines Sirups bei Husten und Heiserkeit und als Beruhigungsmittel für Kleinkinder, bei Schmerzen, Schlafstörungen und Unruhe. Da es keinen Beleg für die Wirksamkeit gibt, hat man diese Anwendungen aufgegeben.  
Klatschmohn als Heilpflanze
Der Klatschmohn wird in der heutigen europäischen Naturheilkunde nur noch selten verwendet. Das liegt vorrangig daran, dass für viele Krankheiten und Beschwerden deutlich bessere Naturheilmittel verfügbar sind und das einige Inhaltsstoffe eine schwach giftige Wirkung haben.
Im Mittelalter war der Klatschmohn eine bekannte und häufig beschriebene Heilpflanze. Die damals häufig als Klapperrose bezeichnete Pflanze wurde unter anderem bei Schlaflosigkeit, Verstopfung, Fieber, inneren Schmerzen sowie bei allgemeinen, nicht näher beschriebenen, Frauenkrankheiten genutzt. Verwendung fanden alle Pflanzenteile: Von den Blättern über die Wurzel bis hin zu den Samen. In der Regel wurde ein Aufguss von den Blättern und den Blüten empfohlen, aber auch Wein oder spezialisierte Methelixiere waren durchaus gebräuchlich.
Nebenwirkungen und Anwendungshinweise
Klatschmohn sollte immer nur in geringen Dosen verwendet werden. Bei niedriger Dosierung sind Nebenwirkungen in der Regel nicht zu erwarten. Werden Teile des Klatschmohns jedoch unkontrolliert eingenommen, besteht die Gefahr einer Vergiftung, die mit einer Verlangsamung des Herzschlags, Kurzatmigkeit und Übelkeit einhergehen können. Treten solche Symptome nach dem Verzehr auf, ist unverzüglich ein Arzt zu konsultieren.
Klatschmohn als Küchenkraut
In der Küche lässt sich Klatschmohn durchaus einsetzen. Beispielsweise können die Mohnblätter als Zutat in Salaten eingesetzt werden. Sie haben einen angenehmen gurkenähnlichen und leicht nussigen Geschmack. Gut eignen sich die vor allem jungen Blätter in Kombination mit Nüssen oder Pinienkernen. Außerdem lassen sich die Blätter als Spinatersatz verwenden, wenngleich der Geschmack nicht unbedingt vergleichbar ist.
Die Klatschmohnblüten können als Dekoration für Obstsalate oder Torten. Hierzu werden die einzelnen Kronblätter einzeln gezupft.
Die kleinen schwarzen Samen des Klatschmohns lassen sich ebenfalls als Kuchenbelag verwenden. Jedoch sollte man es unterlassen, einen vollständigen Mohnkuchen mit den Samen zu machen, da es bei größerer Verzehrmenge zu Vergiftungserscheinungen führen kann. Der typische Backmohn stammt übrigens von den Samen des Schlafmohns, der u.a. für die Herstellung von Morphin bzw. Heroin verwendet wird. Die Samen selbst enthalten zwar auch einige geringe Anteile an Alkaloiden, sind aber für gesunde Erwachsene unproblematisch. Kinder und vor allem Kleinkinder und Säuglinge sollten jedoch vom Verzehr absehen, da es zu Vergiftungserscheinungen kommen kann.
Zierpflanze
Unter der Bezeichnung Seidenmohn sind Gartenformen von Papaver rhoeas in diversen Farbvarianten, besonders als gefüllte Sorten, im Handel. Es kann auch von Klatschmohnsamen ein Öl gewonnen werden, welches ähnliche Eigenschaften aufweist wie das vom Schlafmohn (Mohnöl).
 
Pflanzenbeschreibung
Der Klatschmohn ist in Europa, Asien und Nordafrika heimisch. Inzwischen ist er weltweit anzutreffen, vor allem aber in gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel. Wie der Name schon sagt, gehört der Klatschmohn in die Familie der Mohngewächse, ist aber ein harmloser Vertreter dieser Familie. Er wächst vor allem an Wegrändern, an Böschungen und auf Schuttplätzen. Früher wuchs er auch viel auf Kornfeldern, aber durch die Unkrautbekämpfung ist er dort nahezu verschwunden. Der Klatschmohn ist ein- bis zweijährig. Er hat schmale Blätter. Im Frühling wächst ein dünner Stängel bis zu 80cm hoch. Der Stängel neigt dazu, im Wind stark zu schwanken. Zwischen Mai und Juni blüht die leuchtend rote Blüte mit dünnen Blütenblättern. Die Blüte verblüht nach weni-gen Tagen und hinterlässt eine Kapsel, in der die Samen heranreifen.
Der Klatschmohn ist eine sommergrüne, einjährige bis zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 90 Zentimetern erreicht. In gegliederten und netzartig verbundenen Milchsaftröhren wird Milchsaft produziert. Der wenig verzweigte Stängel ist relativ dünn und behaart. Die rauen, borstig behaarten Laubblätter sind bei einer Länge von etwa 15 Zentimetern im Umriss lanzettlich, einfach bis doppelt fiederschnittig mit grob eingeschnittenen bis scharf gesägten Blattabschnitten.
Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Die Blüten stehen einzeln, endständig auf dem Stängel. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die zwei behaarten Kelchblätter fallen beim Öffnen der Blütenknospe ab. Die Kronblätter sind in der Knospe unregelmäßig zusammengeknautscht. Die mit einem Durchmesser von 5 bis 10 Zentimetern relativ großen Blütenkronen können in Größe erheblich variieren. Die vier scharlach- bis purpurroten, selten weißen oder violetten Kronblätter besitzen im unteren Bereich einen großen schwarzen, oft weiß umrandeten Fleck, sind sehr dünn. Sie ähneln etwas knittrigem Papier und sind daher leicht zu erkennen. Es sind etwa 164 Staubblätter vorhanden. Die kurz kegelige Narbenscheibe besitzt meist 10 (5 bis 18) Narbenstrahlen. Die typische, bei einer Länge von 10 bis 22 Millimetern bis zu doppelt so lange wie breite und an ihrer Basis abgerundete Kapselfrucht enthält einige hundert Samen. Die Kapselfrucht ist durch zahlreiche falsche Scheidewände (Wucherungen der Samenleisten) in unvollständig gefächerte Porenkapseln (Streubüchsen) unterteilt. Die dunklen Samen (Mohnkörner) sind bei einem Durchmesser von bis zu 1 Millimeter sehr klein.
 
Anbau und Pflege
Standort
Mohnblumen sind verhältnismäßig anpassungsfähig, bevorzugen jedoch eher einen vollsonnigen Standort. Halbschattige und Schattige Lagen werden jedoch nicht toleriert. Der Boden bzw. die Erde sollte grundsätzlich durchlässig, nährstoffreich und leicht kalkhaltig sein. Ein sand- oder kieshaltiger Boden mit mäßiger bis guter Nährstoffverfügbarkeit erscheint ideal. Reine torfhaltige Pflanzenerden sowie viele abgepackte Kräutererden sind für den Anbau von Mohn nicht empfehlenswert und sollten daher zumindest mit Sand durchsetzt werden.
Aussaat
Die beste Aussaatzeit für den Klatschmohn ist der Frühlingsanfang. Die kleinen schwarzen Samen sollten Ende März bis Mitte April direkt ins Freiland oder in tiefgründigen Töpfen auf dem Balkon ausgesät werden. Soll das Saatgut direkt ins Freiland ausgestreut werden, ist es ratsam, die Samen mit etwas Sand zu vermengen. Klatschmohnsamen sind Lichtkeimer und sollten maximal 1cm mit Erde bedeckt werden. Um Nährstoffkonkurrenz und Platzmangel vorzubeugen, sollte ein Pflanzabstand zwischen 25 und 35 cm eingehalten werden. Die Keimdauer beträgt bei der Mohnblume etwa 14 bis 21 Tage.
Düngung
Liegt ein nährstoffreicher Boden vor, ist eine Düngung meist nicht notwendig. Nährstoffarme Böden werden am besten vor der Pflanzung mit komposthaltigem Material vermengt. Wächst der Mohn zweijährig, können vor der zweiten Vegetationsperiode kleinere Gaben eines handelsüblichen N-P-K-Düngers verabreicht werden. Wird die Mohnblume in Topfkultur gehalten, sind meist zusätzliche Düngegaben notwendig. Empfohlen werden organische Depotdünger auf Pellet- oder Stickbasis. Weitere Hinweise und Tipps gibt es in unserem Artikel Kräuter richtig düngen.
Gießen
Der Klatschmohn toleriert längere Trockenphasen durch sein tiefgründiges Wurzelwerk meist problemlos. Es sind daher keine besonderen Wassergaben notwendig. Ein normales Gießverhalten reicht völlig aus. Ausnahmen bilden längere hintereinanderfolgende Hitzeperioden sowie Topfkulturen. Hier kann es ratsam sein, in den späteren Abendstunden einmal kräftig zu gießen. An normal temperierten Tagen sollte ein üppiges Gießen jedoch unterbleiben, da dies Krankheiten und Schädlingsbefall beflügeln kann.
Krankheiten und Schädlinge
Insofern Pflegehinweise eingehalten werden und das Wetter über das Jahr nicht allzu feucht ausfällt, gilt der Klatschmohn als recht robuste Pflanze. Bei anhaltend hoher Feuchtigkeitszufuhr besteht jedoch die Gefahr, dass sich Mohnbrand ausbreitet. Darunter ist eine bakterielle Pflanzenerkrankung zu verstehen, die sich meist durch durchsichtige und später dunkler werdende Flecken auszeichnet. Tritt Mohnbrand auf, sollten alle befallene Mohnpflanzen schnellstmöglich vollständig entfernt werden (nicht auf den Komposthaufen werfen!). Die Mohnblume wird außerdem häufig von Blattläusen befallen.
Überwinterung
Es sind keine besonderen Überwinterungshinweise zu beachten. Einjährige sterben meist nach der Fruchtreife ab. Zweijährige Mohnpflanzen sind sehr frosttolerant und treiben im Frühjahr wieder aus.
 
Sammeltipps
Die Blüten des Klatschmohns müssen gesammelt werden, sobald sie aufgeblüht sind. Sie müssen zügig getrocknet werden, damit die Farbe erhalten bleibt, was nur manchmal gelingt. Häufig werden die Blütenblätter beim Trocknen grau und sind nicht mehr als Schmuckblüten in Mischtees geeignet. Die milde Wirkung der Blütenblätter ist aber von der Färbung nicht beeinträchtigt.

Herzgespann
Das Echte Herzgespann, auch Löwenschwanz oder Herzspannkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Leonurus innerhalb der Familie der Lippenblütler.
Schon Dioskurides im Altertum kannte das Herzgespann und empfahl es gegen Magenleiden. Erst im Mit-telalter wurde seine Herzwirkung entdeckt. Doch dann geriet es, wie so viele Kräuter, fast in Vergessenheit. Englische Ärzte haben das Herzgespann jedoch in jüngster Zeit wiederentdeckt und anerkannt. Heutzutage findet man es in manchen Fertigpräparaten und herzwirksamen Teemischungen.
Das Echte Herzgespann fällt durch seine charakteristischen Blüten und Blätter schnell ins Auge. Der imposante Lippenblütler, der auch als Löwenschwanz bezeichnet wird, ist ein wichtiges Heilkraut in der Naturheilkunde. Die im Kraut enthaltenen Inhaltsstoffe können u.a. nervös bedingte Herzbeschwerden, Beschwerden durch Schilddrüsenüberfunktion sowie leichte Angststörungen und Verstimmungen lindern. Früher wurden die Blätter des Herzgespanns sogar in der Küche verwendet.
 
Steckbrief
Haupt-Anwendungen: Nervöse Herzbeschwerden
Heilwirkung: beruhigend, blutdrucksenkend, durchblutungsfördernd, herzstärkend, krampflösend, wehenfördernd
Anwendungsbereiche: Angina pectoris, Angstzustände, Asthma, Atemnot, Blähungen, Bluthochdruck, Engbrüstigkeit, Geburt, Gereiztheit, Herzklopfen Herzprobleme, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Hitzewallungen, Kropf, Magenprobleme, Magenkrämpfe, Nervosität, Nervöse Angstzustände, Roehmheld-Syndrom, Schilddrüsenüberfunktion, Schlaflosigkeit, Unruhe, Verdauungsschwäche, Verschleimung der Atemwege, Wechseljahresbeschwerden
wissenschaftlicher Name: Leonurus cardiaca
Pflanzenfamilie: Lippenblütler = Lamiaceae
englischer Name: Common Motherwort
andere Namen: Bärenschweif, Herzgold, Herzheil, Herzkräutl, Löwenschwanz, Mutterkraut, Mutterwurz, Schwanzchrut, Wolfskraut, Wolfstrappkraut
Verwendete Pflanzenteile: Blühendes Kraut
Inhaltsstoffe: Iridoidglykoside: Ajugol, Ajugosid, Galiridosid; Leonurusbitterstoff, Flavonoide, Alkaloide, Apfelsäure, Weinsäure, Zitronensäure, Phosphorsäure, Kalium, Kalzium, Harz, Gerbstoff
Sammelzeit: Juni bis September
 
Anwendung
Herzgespann kann man wahlweise als Tee, Tinktur oder Fertigpräparat anwenden. Die häufigste Art, Herz-gespann anzuwenden ist der Tee. Meistens ist das Herzgespann Bestandteil von Teemischungen, aber man kann es auch als Einzelpflanze nutzen. Das Echte Herzgespann war früher eine Zierpflanze und Nutzpflanze des Bauerngartens.
Verwendung in der Küche
Herzgespann ist kein typisches Gewürzkraut. Man soll jedoch mit frischen oder getrockneten Blättern Linsen- und Erbsensuppe würzen können. Früher wurde es auch zum Würzen des Bieres verwendet.
Verwendung in der Heilkunde
Drogenauszüge aus den oberirdischen Pflanzenteilen (Kraut) werden bei nervösen Herzbeschwerden eingesetzt sowie zur unterstützenden Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion. In der Volksmedizin wird das Herzgespannkraut aufgrund der ihm nachgesagten spasmolytischen, sedierenden, blutdrucksenkenden und uteruskontrahierenden Wirkungen bei Verdauungsbeschweden, Wechseljahresbeschwerden und auch als Beruhigungsmittel verwendet, ferner bei Asthma bronchiale und ausbleibender Menstruation. Herzgespannextrakt gilt als Tonikum in den Wechseljahren und bei Herzschwäche. Die Grundlagenforschung am isolierten Tierherz durch Rauwald und Dhein belegt, dass die Wirkstoffe des Herzgespanns die Menge des Blutes steigern, das den Herzmuskel versorgt (den Koronarfluss), wodurch das Herz besser versorgt wird. Zugrunde liegt ein calciumantagonistischer Wirkmechanismus, welcher zu einer Blutdrucksenkung sowie zur Verlangsamung der Herzfrequenz und so zur Entlastung des Herzens führt. Welche Stoffe genau diese Wirkungen hervorrufen und ob diese einzeln oder nur in ihrem Zusammenspiel helfen, war zum Zeitpunkt dieser Studie noch offen und bedarf der weiteren Forschung. Es ist umstritten, ob die Pflanze bereits in der Antike verwendet wurde. Sicher ist man sich dagegen, dass sie in Mitteleuropa im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit Verwendung fand. Schon in einem der ersten gedruckten, dem in deutscher Sprache verfassten Kräuterbuch Gart der gesuntheit (1485), wird es unter dem Namen Cordiaca genannt und bei Magendrücken und Herzbeschwerden empfohlen. Paracelsus und Leonhart Fuchs meinen, in Wein eingeleg-tes Herzgespann helfe gegen zu starkes Herzklopfen sowie gegen Krämpfe und Lähmung der Gliedmaßen, in letzterem Fall auch als warme Kompresse. Ein wässriger Dekokt aus Herzgespann sei hilfreich bei Epilepsie. Herzgespann wirke auch diuretisch und führe die ausbleibende Menstruation herbei. Das 1554 erschienene Cruyede boeck von Rembert Dodoens empfiehlt eine in Wein gesottene Zubereitung des Herzgespanns gegen Schwermut und zur Herzstärkung, ein destilliertes Mazerat aus Wein bei Herz- und Menstruationsbeschwerden. Nicholas Culpeper schreibt in Herbal (1652), dass Herzgespann ein fröhliches Gemüt verleihe, indem es melancholische Dämpfe vertreibe und das Herz stärke. Er empfiehlt Herzgespannpulver in Wein bei Schwangerschaftsbeschwerden. Im 20. Jahrhundert wurde zum Herzgespann geforscht. Dabei wurden die wesentlichen Inhaltsstoffe quantitativ identifiziert und die hypotensive und uterus-kontraktive Wirkung nachgewiesen. In der Homöopathie wird Herzgespann gemäß den homöopathischen Arzneimittelbild angewendet.
Tee
Für einen Herzgespanntee übergießt man ein bis zwei Teelöffel Herzgespann mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn zehn Minuten ziehen. Anschließend abseihen und den Herzgespanntee in kleinen Schlucken trinken. Von diesem Tee trinkt man ein bis drei Tassen täglich. Wie bei allen stark wirksamen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken. Anschließend kann man wieder sechs Wochen lang Herzgespanntee trinken. Durch die Pause werden eventuelle unerwünschte Langzeitwirkungen verhindert und die erwünschte Herzgespannwirksamkeit bleibt erhalten und lässt nicht durch Gewöhnung nach.
Herztee
Folgende Teemischung eignet sich für Menschen mit leichter Herzschwäche, ner-vösen Herzbeschwerden und Bluthochdruck.
40g Herzgespannkraut, 10g Weißdornblüten und Blätter, 10g Mistelkraut, 10g Verbeneblätter, 10g Melissenblätter, 10g Johanniskraut, 10g Passionsblumenkraut
Tinktur
Um eine Herzgespanntinktur selbst herzustellen, übergießt man Herzgespann in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen. Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen. Von dieser Tinktur nimmt man ein bis drei mal täglich 10-50 Tropfen ein. Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.
Homöopathie
In der Homöopathie wird das Herzgespann unter seinem wissenschaftlichen Namen Leonurus cardiaca verwendet. Die bevorzugten Potenzen sind D2 oder D3, teilweise sogar noch niedriger in D1 oder als Urtinktur. Die homöopathische Anwendung entspricht also in etwa der Heilpflanzen-Anwendung. Als Dosierung nimmt man 2 bis 3 mal täglich 10 bis 15 Tropfen oder Globuli.
Küche
Das Herzgespannkraut ist kein typisches Küchengewürz. Man kann es aber nehmen, um Erbsensuppe und Linsensuppe zu würzen.
Herzgespann ist kein typisches Gewürzkraut. Man soll jedoch mit frischen oder getrockneten Blättern Linsen- und Erbsensuppe würzen können. Früher wurde es auch zum Würzen des Bieres verwendet.
Färbemittel
Mit dem Herzgespannkraut kann man Textilien dunkelgrün färben. Vor allem Wolle eignet sich dafür.
 
Wirkung
Das Herzgespann senkt, vor allem mithilfe seiner Iridoidglykoside, die Herzfrequenz, wenn das Herz zu schnell schlägt. Außerdem wird das Herz gestärkt und der Blutdruck leicht gesenkt. Die Durchblutung des Herzens wird zudem verbessert. Außerdem wirkt das Herzgespann beruhigend und entkrampfend, was sich günstig bei nervösen Herzproblemen und Krämpfen aller Art auswirkt. Die Gebärmutter wird in ihren Kon-traktionen angeregt; bei Geburten eine sehr nützliche Wirkung.
Nebenwirkungen
Bei normaler Anwendung des Herzgespanns gibt es keine Nebenwirkungen. Aber wenn man Herzgespann in sehr großen Mengen einnimmt, kann es zu Bauchschmerzen, Erbrechen, blutigem Durchfall und großem Durst kommen.
Achtung! In der Schwangerschaft sollte man Herzgespann nicht verwenden, weil die Gebärmutter zu Kontraktionen angeregt wird. Es könnte zu frühzeitigen Wehen kommen.
 
Anwendungsgebiete
Herzbeschwerden
Der wichtigste Einsatzbereich für das Herzgespann sind Herzbeschwerden in vielen Variationen. Vor allem wenn die Herzprobleme mit Unruhe und Ängsten in Verbindung stehen, ist das Herzgespann die richtige Pflanze. Herzgespann hilft gegen Herzrasen und Herzrhythmusstörungen. Man kann es auch bei Angina pectoris verwenden und man kann gegen Herzinfarkt vorbeugen.
Nerven und Unruhe
Dank der beruhigenden und krampflösenden Wirkung kann man das Herzgespann gegen Ängste und Nervosität einsetzen. Auch gegen Schlafstörungen kann man Herzgespann verwenden. Die Reizbarkeit und Schlafprobleme, die typisch für die Wechseljahre sind, kann man auch mit dem Herzgespann behandeln.
Magenbeschwerden
Die krampflösende Wirkung des Herzgespanns hilft bei Magenkrämpfen und anderen krampfartigen Verdauungsproblemen wie Blähungen und Koliken.
Schilddrüse
Weil das Herzgespann die Aktivität einer überaktiven Schilddrüse senkt, kann man es gegen Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) einsetzen. Es hilft dann auch gegen das Herzrasen, das typisch für eine Schilddrüsenüberfunktion ist.
Geburtshilfe
Weil die Kontraktionen der Gebärmutter angeregt werden, kann man das Herzgespannkraut in der Geburtshilfe verwenden. Wenn die Geburt zu langsam fortschreitet, kann man einen Tee mit Herzgespannkraut trinken - natürlich nur in Absprache mit der Hebamme oder dem behandelnden Arzt.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Die chinesische Heilkunde verwendet die asiatischen Arten des Herzgespanns gegen Ödeme, Ekzeme, Menstruationsbeschwerden, Abszesse und Nierenprobleme.
Heilkräftiger Pflanzenteil
Man sammelt das blühende Kraut ohne Wurzel (Herba cardiaca) und war früher als Herba cardica nicht nur offizinell, sondern auch ein sehr beliebtes Hausmittel, das vor allem in keinem ländlichen Haushalt fehlte. Die Pflanze wird im Schatten getrocknet und nach den allgemeinen Regeln aufbewahrt.
Heil- und Wirkstoffe
Wurden bisher Apfel-, Weinstein- und Zitronensäure festgestellt, wie auch der sogenannte Leonurusbitterstoff. Ferner enthält das Herzgespann Phosphorsäure, Kalium, Calcium, Harz und einen nicht näher bezeichneten Gerbstoff. Die ganze Pflanze bedarf aber noch einer gründlicheren pharmakologischen Unterstützung.
Heilwirkung
Interessanterweise loben Theophrast und Dioskurides das Herzgespann nur als Magenmittel. Erst im mittelalter Gart der Gesundheit, später bei Fuchs und Matthiolus finden wir die Pflanze als Herzmittel gepriesen.
Das Herzgespann teilte mit so vielen Heilpflanzen das gleiche Geschick, es geriet fast völlig in Vergessenheit. Erst in jüngerer Zeit wurde der gute Ruf dieser Pflanze al Heilpflanze hauptsächlich durch die englischen Ärzte neu anerkannt. Vor allem setzte sich Pater warm für das Herzgespann ein.
Das Herzgespann ist ein gutes Mittel bei nervösen Herzleiden, bei nervös bedingter Herzschwäche und bei Herzklopfen, durch einen aufgetriebenen Unterleib verursacht. Dadurch müssen wir auch den Anschauungen der Ärzte der Antike beipflichten, dass das Herzgesapnn ein Magenmittel ist. Magenblähungen und Magenkrämpfe werden ebenfalls durch dieses Heilkraut geheilt.
Nicht zuletzt muss erwähnt werden, dass das Herzgespann bei Atemnot, Engbrüstigkeit, Verschleimung der Atmungsorgane gute Erfolge erweist. Bezüglich der krampfstillenden und ner-verenberuhigenden Heilwirkung hat das Herzgespann eine gewisse ähnliche Wirkung wie der Baldrian.
Als Dosierung empfehlen wir täglich 2 Tassen im Aufguss bereitet, zuckerlos und schluckweise zu trinken, wobei wir für 1 Tasse 1 Teelöffel der kleingeschnittenen Droge nehmen.
Anwendung in der Volksheilkunde
In der Volksheilkunde wird der Tee bei Magenbeschwerden und bei Kropfbeschwerden vielfach lobend erwähnt.
Auch bei Hysterie, allgemeinen nervösen Beschwerden wie Gereiztheit, Unruhe, nervösen Angstzuständen und Schlaflosigkeit gilt Herzgespann als die zuständige Heilpflanze.
Sogar bei Säuferwahnsinn mit Unruhe und Zittern usw. verbunden (Delirium tremens) werden Heilerfolge berichtet.
 
Magische Anwendung
In Mecklenburg gab es früher einen Heilzauber. Dabei wurde Herzgespann in Bier aufgekocht und anschließend gegen Geschwüre und Tumore angewendet. Bei diesem Zauber handelt es sich eigentlich nicht um Magie, sondern eine ganz normale volkstümliche Kräuter-Anwendung. Statt in Wein wurde das Herzgespann in Bier aufgekocht, vermutlich, weil es im Norden kaum Wein gab. Die Blätter des Herzgespanns wurden früher als Amulett um den Hals getragen, um das Herz zu stärken.
 
Geschichtliches
Dioskurides empfahl das Herzgespannkraut im 1. Jahrhundert ausschließlich als Mittel gegen Magenbeschwerden. Auch Theophrastos von Eresos (ab 371 v. Chr) nennt das Herzgespann als Magenmittel. Erst im Mittelalter wurde bekannt, dass Herzgespann auch gegen Herzbeschwerden helfen kann. Es wird von den Kräuterautoren Matthiolus und Fuchs genannt. Leonhart Fuchs schreibt 1543 in seinem Kreutterbuch: Herzgespan ist fürtrefflich gut zu dem Klopffen des Herzens. Item zu dem Krampf und lemung der Glider.
Auch Paracelsus empfiehlt das Herzgespann unter anderem in Wein eingelegt gegen Herzklopfen und Krämpfe. Das Wort gespann bedeutet im damaligen Sprachgebrauch Krampf. Das zeigt, wie sehr das Herzgespann für seine krampflösende Wirkung geschätzt wurde. Vom Mittelalter an wurde das Herzgespann gerne und viel als Heilpflanze verwendet. In vielen Klostergärten wurde es angepflanzt und von dort aus floh es häufig als verwilderte Pflanze. Doch allmählich geriet es in Vergessenheit. Erst als im 20. Jahrhundert begonnen wurde, die Heilwirkung von Pflanzen wissenschaftlich zu untersuchen, wurde das Herzgespann wieder beliebter, denn die Forschung entdeckte, dass das Herzgespann tatsächlich wirksam ist. Es wurde nachgewiesen, dass das Herzgespann den Blutdruck senkt und Kontraktionen der Gebärmutter fördert. Die Kommission E empfiehlt das Herzgespann gegen nervöse Herzbeschwerden.
 
Pflanzenbeschreibung
Herzgespann ist in Mitteleuropa bis nach Ostasien heimisch. In Nordamerika kommt es eingeschleppt vor.
Das Herzgespann wächst bevorzugt auf nährstoffreichen Böden und folgt der menschlichen Besiedlung. Daher findet man es an Mauern, Zäunen und Unkrautstellen. Heutzutage ist das Herzgespann jedoch selten geworden, daher ist die Pflanze geschützt. Die mehrjährige Pflanze wird bis zu 1,50 Meter hoch. Der Stängel ist viereckig und innen hohl. Die Blätter wachsen kreuzweise gegenständig an kurzen Stielen. Sie sind handförmig und haben 3 bis 7 Lappen, die an ihrem Ende spitz zulaufen. Die rosafarbenen Blüten erscheinen zwischen Juni und September. Sie sitzen quirlförmig in den Blattachseln. Die Form der Blüten ist typisch für Lippenblütler mit Helm und Lippen. Die Lippen sind wollig behaart, sodass die ganzen Blüten wollig wirken.
Botanik
Aus dem ausdauernden, dicht bewurzelten Wurzelstock  wachsen mehrere vierkantige, hohle, gerillte, oft rötlich-violette Stängel empor. Die Laubblätter haben bis 4cm lange Stiele, sind etwas herzförmig, bis gegen die Mitte hin handförmig und in 3-7 grobgesägte Lappen gespalten und weich behaart. Die Scheinquirlen sind dicht und reichblütig. Die Blüten sitzend, haben Vorblätter und einen trichterförmigen Kelch, die Krone ist fleischrot bis rosa gefärbt und zottig behaart.
Geruch und Geschmack
Die Pflanze riecht scharf, etwas widerlich. Desgleichen ist auch der Geschmack.
Blütezeit
Juni bis September, je nach Standort.
Standort
Das Herzgespann gedeiht am Rande von Dorfwegen, Zäunen, Hecken. Wir finden die Pflanze auch auf Halden und Brachland. Sehr häufig im Gebiet der pannonischen Flora. Das Herzgespann war früher als sehr geschätzte Heilpflanze in den Bauerngärten vielfach anzutreffen.
Das Echte Herzgespann ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 120 Zentimetern erreicht. Der vierkantige Stängel ist hohl und außen behaart. Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist von mittelgrüner Farbe und an der Unterseite flaumig behaart. Der Blattumriss ist handförmig in drei bis sieben Spalten geteilt. Der Blattgrund ist herzförmig. Die oberen Blätter besitzen meist nur drei Lappen und einen keilförmigen Grund.
Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Die Blüten entspringen den oberen Blattachseln und stehen dort in Scheinquirlen. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenkrone ist mit einer Länge von 8 bis 12 Millimetern deutlich länger als der fünfnervige Kelch. Die rosafarbene bis cremeweiße Blütenkrone zeichnet sich durch eine helmförmig gebogene, außen behaarte Oberlippe und eine dreiteilige Unterlippe mit bräunlicher Zeichnung aus.
 
Anbautipps
Herzgespann kann man gut im eigenen Garten anbauen, weil es die Nähe menschlicher Behausungen prinzipiell mag. Man kann das Herzgespann wahlweise aus Samen anziehen oder als fertige Pflanze pflanzen. Die Samen sät man im Frühjahr entweder direkt ins Beet oder in Aussaatschalen. Junge Pflanzen kann man im Frühling ins Beet pflanzen. Wenn sich das Herzgespann wohl fühlt, vermehrt es sich von selbst. Um es an andere Stellen zu pflanzen, kann man es im Herbst teilen. Man kann auch Ableger davon machen.
 
Sammeltipps
In der freien Natur darf man das Herzgespann nicht sammeln, weil die Pflanze ge-schützt ist. Wenn man Herzgespann jedoch im eigenen Garten hat, kann man es zur Zeit der Blüte ernten. Man erntet den oberen Teil des blühenden Krautes. Das abgeschnittene Herzgespannkraut bindet man zu Sträußen und hängt es zum Trocknen kopfüber an einen trockenen Ort.

Bachblüten
Ich bin empfindlich gegenüber Streitigkeiten (Agrimony)
Diese sind hochempfindlich gegenüber diverse Streitigkeiten
Im Positiven können sie den Streitigkeiten etwas abgewinnen
Bachblüten
Ich bin übersensibel (Aspen)
Diese sind zu oft übersensibel
Sie können mit Aspen das übersensible Art beiseite legen
Praxistipps für Schulkinder/Jugendliche
Mädchen von 11-14 Jahren und Buben von 12-15 Jahren durchlaufen große körperliche und seelische Veränderungen, durch die sich auch ihre Energie- und Nährstoffbedarf erhöht.
Beide Geschlechter brauchen zusätzlich z.B. Kalzium und Eisen.
Wenn das Kind sind einseitig ernährt, besteht in dieser Phase der großen Wachstumsschübe das Risiko eines Mineralstoff- und Vitaminmangels. Teenager haben leichten Zugang zu Fast Food und Junkfood und Sitzen gerne stundenlang vor dem Fernseher bzw. Computer.

Hildegard von Bingen
Hildegards Texte wurden zwar größtenteils zu ihren Lebzeiten aufgeschrieben, in diesem Zeitraum jedoch bereits korrigiert, neu zusammengestellt und mit einzelnen, recht wunderlichen Ratschlägen aus der mittelalterlichen Volksmedizin vermischt, deren Inhalt – wie beispielsweise der Zusammenhang zwischen dem Stand des Mondes bei der Empfängnis und dem späteren Charakter des Menschen – mehr als fragwürdig ist.
Die späteren Textausgaben von Hildegards Schriften vermitteln nicht immer Hildegards ursprüngliche Worte, doch wollen sie auch keine naturwissenschaftlichen beziehungsweise medizinischen Werke im heutigen Sinne sein. Sie sind Zeugnisse eines unruhigen Jahrhunderts und spiegeln die kosmische Verbundenheit einer außergewöhnlichen Frau wider.

Sebastian Kneipp – Leben und Werk
Nach Dillingen zurückgekehrt, beginnt Kneipp sofort den Versuch der Selbsthilfe:
So ging ich dann in der Woche dreimal (im Winter) in die Donau hinaus (die Kälte mochte sein, wie sie wollte) und habe Halbbäder genommen von 3-4 Stunden bei 10-15°C. müde ging ich hinaus, neu aufgefrischt und gestärkt ging ich jedesmal heim und ich gewann die Überzeugung, wenn es für mich – nachdem alles Angewendete nichts geholfen – ein Heilmittel gibt, so wird es das Wasser sein.
Schon bald erholt sich seine Gesundheit:
Mein Geist wurde denkfähiger, es besserte sich mein Appetit und ich konnte schon regelmäßig Vorlesungen anhören.
Schließlich gesundet Kneipp und erhält 1850 einen Freiplatz im Georgianum in München. Dort gelingt es ihm dann auch, zwei seiner Mitstudenten, die ebenfalls schwer krank sind, mit seinen Wasseranwendungen zu heilen. Über die Wirkung, die er bei einem der Studenten mit kalten Güssen aus einer Gießkanne erzielte – die Behandlung erfolgte heimlich nachts im Garten-, schreibt er:
Sein Aussehen wurde von Woche zu Woche besser, sein heftiger Husten verschwand, seine Kräfte vermehrten sich, der gute Herr bekam Feuer und Blut und wurde zur allgemeinen Freude gesund.

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